Als erstmals bekannt wurde, dass deutsche Steuerfahnder gezielt Influencer ins Visier nehmen, herrschte in der Creator-Szene große Unruhe. Plötzlich war von speziellen Ermittlerteams, Tausenden Datensätzen und möglichen Steuernachzahlungen die Rede. Viele Social-Media-Stars fragten sich damals, wie genau die Behörden Einnahmen aus Werbedeals, Kooperationen oder kostenlosen Reisen überhaupt nachvollziehen wollen.
Bayern legt konkrete Zahlen vor
Jetzt legt Bayern erstmals konkrete Zahlen vor. Und die zeigen: Die Behörden sind fündig geworden. Eine Spezialeinheit der Finanzverwaltung hat bereits Hunderttausende Euro an zusätzlichen Steuern nachgefordert, wie der „Merkur“ zuerst berichtete.
550.000 Euro an Influencer-Nachzahlungen
Ein Sprecher von Bayerns Finanzminister Albert Füracker (58, CSU) bestätigte auf BILD-Anfrage den Erfolg der Spezialeinheit „E-Commerce“ beim Landesamt für Steuern. Demnach wurden bislang 550.000 Euro an Steuernachzahlungen erzielt. Grundlage seien Daten, die Bayern über eine internationale Anfrage bei ausländischen Behörden erhalten habe. Insgesamt liegen den Ermittlern rund 60.000 Datensätze aus den Jahren 2024 und 2025 vor. Eine Auswertung der Hälfte der Datensätze ließ bereits Umsätze von 1,4 Milliarden Euro nachvollziehen, wie das Finanzministerium Bayern BILD bestätigte. Rund 211 Millionen Euro davon betreffen Bayern. Derzeit wird die zweite Hälfte ausgewertet.
Albert Füracker richtet deshalb eine deutliche Botschaft an mögliche Steuersünder: „Jeder, der geglaubt hat, er wird nicht erwischt, sollte besser jetzt noch schnell reinen Tisch machen und nachzahlen.“
Jetzt geraten auch Gaming-Creator in den Fokus
Studien zufolge lag das Umsatzvolumen der Branche Studien in Deutschland 2025 sogar bei rund 1,5 Milliarden Euro. Unternehmen gaben bereits im Jahr zuvor insgesamt 622 Millionen Euro für Werbung über Influencer aus. Entsprechend groß ist inzwischen das Interesse der Finanzbehörden.
Im Dezember stellten die bayerischen Fahnder ein weiteres Auskunftsersuchen. Dabei forderten sie laut Finanzministerium Daten nicht nur von einer großen Influencer-Agentur, sondern auch von einer Agentur aus dem Gaming-Bereich an. Denn die Ermittlungen beschränken sich längst nicht mehr auf klassische Lifestyle-Influencer. Für die Auswertung der Daten nutzen die Steuerbehörden inzwischen KI-gestützte Spezialsoftware. Parallel überprüft Bayern auch Gewinne aus Kryptowährungen. Eine weitere Spezialeinheit holte in diesem Bereich seit Ende März 2026 bereits 7,5 Millionen Euro an Steuernachzahlungen für Bayern ein.



