Finanznot der Kommunen in Baden-Württemberg: Sparkassen belegen Krise
Finanznot der Kommunen: Sparkassen belegen Krise

Die finanzielle Not der Kommunen in Baden-Württemberg spiegelt sich immer deutlicher in den Bilanzen der Sparkassen wider. Laut dem Sparkassenverband Baden-Württemberg (SVBW) sanken die Einlagen öffentlicher Haushalte bei den 50 Instituten im Land bis Ende Juni 2026 auf 9,1 Milliarden Euro – ein Rückgang um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Kreditnachfrage der Städte, Gemeinden und Landkreise sprunghaft an: Mit 6,0 Milliarden Euro standen sie bei den Sparkassen in der Kreide, ein Plus von 20 Prozent oder einer Milliarde Euro. Dies zeigt, dass die Ausgaben vieler Kommunen die Einnahmen übersteigen und sie gezwungen sind, Rücklagen aufzulösen und neue Kredite aufzunehmen.

Sparkassenpräsident zeigt sich alarmiert

Sparkassenpräsident Matthias Neth spricht von einer „nie dagewesenen kommunalen Finanzkrise“. Die Kommunen benötigten immer mehr Darlehen, während ihre Einlagen weiter schrumpften. „Ich blicke mit allergrößter Sorge auf die Zukunft der Kommunen“, sagte Neth. Als Hauptbelastungsfaktoren nannte er rückläufige Gewerbesteuereinnahmen, steigende konsumtive Ausgaben – insbesondere Sozialleistungen – sowie hohe Investitionserfordernisse in Schulen, Kitas, Straßen, Glasfaser und die Digitalisierung der Verwaltung. „Wenn die Gewerbesteuer nicht wieder anzieht, die konsumtiven Ausgaben nicht weniger werden und das Geld vom Bund nicht mehr so fließt, dann wird an Investitionen gespart, also an Zukunftsfähigkeit. Und das kann diesem Staat, dieser Gesellschaft nicht guttun“, warnte Neth.

Rekorddefizit im vergangenen Jahr

Die Finanznot der Kommunen in Baden-Württemberg hat sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Mit einem Defizit von 4,4 Milliarden Euro verzeichneten sie 2025 den höchsten Fehlbetrag ihrer Geschichte, wie ein Bericht der Bertelsmann-Stiftung ergab. Haupttreiber sind steigende Personal- und Sozialausgaben sowie einbrechende Gewerbesteuereinnahmen. Ohne das Sondervermögen des Bundes wären viele Investitionen nicht möglich gewesen, betonte Neth. Die Kommunen stünden vor der Frage, welche Ausgaben noch stemmbar seien.

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Sparkassen mit erstem Halbjahr zufrieden

Trotz der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte zeigen sich die Sparkassen mit ihrer eigenen Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2026 zufrieden. Das Kreditvolumen und die Kundeneinlagen legten zu, zudem wurden deutlich mehr Wertpapiere verkauft. Die Bilanzsumme stieg um 1,2 Prozent auf 254,5 Milliarden Euro. Zum konkreten Ergebnis machten die Institute keine Angaben. Die 50 Sparkassen im Land betreiben rund 1.700 Filialen und betreuen mehr als fünf Millionen Privat- und Unternehmenskunden.

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