Nach erneuten Berichten über weitere Verzögerungen beim Großprojekt Stuttgart 21 fordert der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir von der Deutschen Bahn vollständige Transparenz. „Ich will nicht, dass wir da jetzt jedes Jahr neue Zahlen bekommen“, erklärte der Grünen-Politiker in Stuttgart. „Aber es muss ja auch mal ein Ende haben.“ Er verlange von der Bahn belastbare Angaben und klare Antworten darauf, wann die einzelnen Bauabschnitte und wann das gesamte Projekt fertiggestellt sein werden.
Eröffnung des Durchgangsbahnhofs wohl erst 2031
Laut einem Medienbericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) wird die Inbetriebnahme des neuen Durchgangsbahnhofs voraussichtlich auf Ende 2031 verschoben. Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen aus dem Umfeld projektnaher Personen. Özdemir kommentierte dies mit deutlichen Worten: Das Projekt werde langsam „zur Lachplatte“. Er bezog sich dabei auch auf die als „Fernwanderweg“ bekannt gewordene Fußgängerumleitung von den Gleisen in die Stadt. Es gehe auch darum zu beweisen, dass Stadt, Land und der Bund in der Lage seien, Großprojekte erfolgreich umzusetzen, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen.
Immer wieder korrigierte Zeitpläne
Bereits im November war die für Ende 2026 geplante Teileröffnung des Tiefbahnhofs abgesagt worden. Bahnchefin Evelyn Palla begründete die erneute Verschiebung mit Problemen bei der Digitalisierung des Bahnknotens. Ein neuer Termin wurde damals nicht genannt; stattdessen kündigte Palla eine umfassende Überprüfung des Projekts an, nach der ein neuer Eröffnungstermin bekannt gegeben werden soll. Die Bauarbeiten an dem Mammutprojekt laufen bereits seit 2010. Ursprünglich, bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009, war man von einer Fertigstellung im Jahr 2019 ausgegangen.
Kosten explodieren auf 11,3 Milliarden Euro
Neben den zeitlichen Verzögerungen steigen auch die Kosten für Stuttgart 21 kontinuierlich. In dem Finanzierungsvertrag von 2009 war lediglich die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Bahn die Gesamtkosten auf etwa 11,3 Milliarden Euro. Einem Gerichtsurteil zufolge muss die Bahn die Mehrkosten allein tragen. Özdemir forderte abschließend: „Die Bahn muss jetzt alle Karten auf den Tisch legen – belastbare Zahlen und einen realistischen Zeitplan, damit wir endlich Klarheit haben.“



