Eine 46 Jahre alte Frau und ein 64 Jahre alter Mann sind am Sonntag bei einem Tauchgang im Bodensee gestorben. Wie die Polizei mitteilte, führten die beiden Taucher gemeinsam einen Tauchgang in Überlingen durch. Gegen 10.30 Uhr leiteten sie in einer Tiefe von rund 80 Metern einen Notaufstieg ein. Der Grund für diesen Notaufstieg ist bislang unbekannt.
Tödlicher Notaufstieg: Die Gefahr der Dekompression
Ein Notaufstieg aus 80 Metern Tiefe ist eine der gefährlichsten Situationen im Tauchsport. In dieser Tiefe herrscht ein Wasserdruck von etwa neun Bar. Der menschliche Körper ist diesem Druck nur begrenzt standhalten. Beim schnellen Aufsteigen sinkt der Druck abrupt, wodurch im Blut und im Gewebe gelöste Gase wie Stickstoff schlagartig ausperlen können. Dieser als Dekompressionskrankheit bekannte Effekt kann zu Lähmungen, Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zum Tod führen.
Reanimationsversuche blieben erfolglos
Den Angaben der Polizei zufolge verlor der 64-Jährige bereits beim Auftauchen das Bewusstsein. Seine 46-jährige Begleiterin kollabierte erst kurze Zeit später an Land. Sofort eingeleitete Reanimationsmaßnahmen, an denen auch alarmierte Notärzte beteiligt waren, zeigten keine Wirkung. Beide Taucher starben noch am Unglücksort. Eine Obduktion soll nun die genauen Todesumstände klären.
Wasserschutzpolizei Konstanz ermittelt zur Unglücksursache
Die Wasserschutzpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Die Beamten stehen vor der Frage, warum die beiden Taucher in 80 Metern Tiefe abrupt aufsteigen mussten. Nach ersten Erkenntnissen gibt es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Mögliche Ursachen wie eine technische Panne an der Tauchausrüstung, eine plötzliche gesundheitliche Beeinträchtigung oder Problemen mit der Atemluftversorgung werden nun systematisch geprüft.
Die Polizei hat bislang keine weiteren Einzelheiten zu den Verstorbenen oder zum Ablauf des Unfalls veröffentlicht. Die Identität der beiden Opfer steht offiziell noch nicht fest, dürfte aber nach den Angaben aus der Unglücksmeldung weitgehend geklärt sein. Die Ermittlungsbehörde kündigte an, Informationen erst nach Abschluss der Obduktion und der technischen Untersuchung der Tauchausrüstung bekannt zu geben.
Überlingen: Beliebtes Tauchrevier mit besonderen Anforderungen
Überlingen liegt am nördlichen Ufer des Überlinger Sees, eines Teils des Bodensees. Die Region ist für Taucher attraktiv, weil die Uferbereiche steil abfallen und eine vielfältige Unterwasserwelt bieten. Allerdings sind die Bedingungen anspruchsvoll: Schon in geringen Tiefen ist die Sichtweite oft eingeschränkt, und in großen Tiefen herrscht nahezu völlige Dunkelheit. Die Wassertemperatur liegt in 80 Metern Tiefe nur noch bei wenigen Grad Celsius, was den Körper zusätzlich belastet.
Tauchexperten weisen immer wieder darauf hin, dass Tauchgänge in solche Tiefen nur mit spezieller Ausbildung und entsprechender Erfahrung unternommen werden sollten. Ein Notaufstieg aus dieser Tiefe ist selbst für geübte Sporttaucher extrem riskant. Sicherheitsstopps und eine sorgfältige Kontrolle der Ausrüstung sind unabdingbar, um solche Unfälle zu vermeiden.
Ermittlungen dauern an
Die Wasserschutzpolizei bittet zudem um sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung. Zeugen, die den Tauchgang am Sonntag in Überlingen beobachtet haben oder möglicherweise Aufnahmen von Überwachungskameras in der Nähe des Unglücksorts besitzen, werden gebeten, sich zu melden. Die Ermittlungen zur Ursache des Notaufstiegs und zu den genauen Todesumständen stehen erst am Anfang. Die zuständigen Behörden arbeiten mit Hochdruck daran, das Unglück aus den Bereichen Tauchsport und Sicherheit zu einem möglichst genauen Bild zu fügen.



