Kernkraftwerk Lubmin: DDR setzte trotz Sicherheitsmängeln auf Atomkraft
Kernkraftwerk Lubmin: DDR setzte trotz Sicherheitsmängeln auf Atomkraft

Am 26. April 1986 explodierte im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl der Reaktor Block 4. Eine radioaktive Wolke zog über Deutschland hinweg. In der Bundesrepublik wuchs die Angst vor Atomenergie, während im Nordosten der DDR im VE Kombinat Kernkraftwerke "Bruno Leuschner" alles wie gewohnt lief. Das Kernkraftwerk Lubmin war seit seiner Inbetriebnahme am 12. Juli 1974 ein hochmoderner Vorzeigebetrieb und eines der größten AKW Europas. Es versorgte das Land mit mehr als zehn Prozent des Strombedarfs und beschäftigte 15.000 Menschen.

In den 1980er-Jahren stieg der Energiebedarf in der DDR rasant. Die Arbeitsplätze in Lubmin waren begehrt, und die Mitarbeiter empfanden ihren Job als Privileg. Anders als im Westen gab es keine Proteste gegen Atomkraft. Die Bauteile stammten fast alle aus der Sowjetunion und waren in den 1960er-Jahren entwickelt worden. Diplom-Physiker Norbert Meyer erklärte in einer NDR-Dokumentation: "Sowohl bei den russischen Projektanten als auch bei den Einkäufern in der DDR bestand die Meinung: Man kauft ein Kernkraftwerk ein, das läuft 40 Jahre durch."

Die Brennelemente waren ohne Prüftechnik ausgestattet. "Die Zugänglichkeit, um diese Blöcke zu prüfen, war gar nicht gegeben", so Meyer. Schnell traten Probleme auf: Materialermüdung durch Neutronenbeschuss und Rostschäden durch Kühlwasser. Reparaturen waren nötig, durften aber nur an Wochenenden durchgeführt werden, wenn Industriebetriebe weniger Strom brauchten. Die Staatssicherheit war mit einer eigenen Objektdienststelle in Lubmin präsent, mit 25 hauptamtlichen und 300 inoffiziellen Mitarbeitern.

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Den Physiker Norbert Meyer beschlichen irgendwann Zweifel: "Je länger man an dem Objekt arbeitete, merkte man, wie unausgereift die ganze Sache teilweise war." 1984 ergaben Berechnungen erstmals, dass die Sicherheit in einigen Situationen nicht gewährleistet werden konnte. Die Technik der 1960er-Jahre stammte aus einer Zeit, in der atomare Unfälle für sehr unwahrscheinlich gehalten wurden. Der Abriss aller Bauten des Kernkraftwerks Lubmin soll bis 2028 abgeschlossen sein.

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