Als meine Tochter eingeschult wurde, hieß es, dass unsere Pankower Grundschule demnächst kernsaniert wird. Dafür sollte die Schulgemeinschaft vorübergehend an einen anderen Standort ausgelagert werden. Im selben Jahr ließ ich mich in unseren Bezirkselternausschuss wählen, und wenn es in den vielen monatlichen Sitzungen ein bestimmendes Thema gab, dann war es der Schulbau. Kein Treffen, in dem es nicht darum ging.
Jahrelange Verzögerungen und unendliche Sanierungen
Doch die Effekte dieser unermüdlichen Arbeit sind überschaubar. Der Schulbau in Berlin ist ein Dauerbrenner, der selbst hartnäckigste Elternvertreter frustriert. Die Versprechungen von Kernsanierungen und Auslagerungen bleiben oft Jahre lang unerfüllt. Die Behörden scheinen überfordert, die Prozesse sind undurchsichtig und langsam.
Laut einer aktuellen Studie des Berliner Senats sind rund 40 Prozent der Berliner Schulen sanierungsbedürftig. Viele Projekte liegen Jahre hinter dem Zeitplan. „Wir haben das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen“, sagt ein Elternvertreter aus dem Bezirk Mitte. „Die Kommunikation mit den Ämtern ist eine Katastrophe.“
Elternvertreter fordern mehr Tempo und Transparenz
Die Bezirkselternausschüsse haben bereits mehrfach konkrete Vorschläge zur Beschleunigung der Schulbauten eingereicht, unter anderem ein zentrales Baumanagement und eine bessere Abstimmung zwischen den Bezirken. Doch bislang blieben die Forderungen weitgehend ungehört. „Es passiert einfach nichts“, beklagt ein anderer Elternvertreter aus Friedrichshain-Kreuzberg.
Die Situation ist besonders bitter, weil die Schülerzahlen in Berlin stetig steigen. Laut Senatsverwaltung für Bildung werden bis 2030 rund 50.000 zusätzliche Schulplätze benötigt. Ohne einen funktionierenden Schulbau wird dieses Ziel unerreichbar bleiben.
Kolumnist zieht persönliches Fazit
Unser Kolumnist Marco Fechner zieht ein ernüchterndes Resümee: „Ich habe es satt. Seit Jahren kämpfen wir Elternvertreter für bessere Schulen, und was haben wir erreicht? Nichts. Die Sanierung unserer Schule ist immer noch nicht abgeschlossen, die Auslagerung nie erfolgt. Die Kinder lernen weiterhin in maroden Gebäuden.“
Die Berliner Schulbaupolitik sei ein Paradebeispiel für Behördenchaos und mangelnde Prioritätensetzung. „Es braucht endlich einen politischen Willen, der Taten folgen lässt“, so Fechner. „Sonst wird sich nie etwas ändern.“



