Rätsel um Flaschenpost im Rhein nach 68 Jahren gelöst
Flaschenpost-Absenderin nach 68 Jahren identifiziert

Das Geheimnis um die kürzlich bei Oberwesel entdeckte Flaschenpost ist gelüftet. Die Absenderin ist eine heute 90-jährige Frau, die in der Eifel lebt. Das bestätigte Stadtbürgermeister Jan Zimmer (CDU) gegenüber der Presse. Vor 68 Jahren, im Juli 1958, hatte die damalige Schiffsköchin die Flasche von Bord des Schiffes „Drachenfels“ in den Rhein geworfen.

Detektivarbeit führte zur Absenderin

Die Nachricht war auf die Rückseite einer Schiffsspeisekarte von 1958 geschrieben. Zimmer erklärte: „Von außen konnte man schon sehen, dass es eine Speisekarte mit einem Köln-Düsseldorfer Logo ist.“ Die Köln-Düsseldorfer ist eine Reederei, die Ausflugsfahrten auf dem Rhein anbietet. Die Karte trug das Datum 16. Juli 1958 und listete eine Tagesplatte mit Wellfleisch, Bohnen und Kartoffeln für zwei Mark.

In ihrer Botschaft auf Französisch äußerte die Frau den Wunsch nach Brieffreunden. Die Sektflasche lag jahrzehntelang unentdeckt in der Erde, bis Bauarbeiten sie kürzlich zutage förderten. In der Tourist-Information versuchte man zunächst, den Inhalt vorsichtig mit einer Pinzette zu bergen. „Hat aber leider nicht so ganz gefruchtet“, so Zimmer. Das Papier war feucht und riss ein, sodass man die Flasche schließlich zerbrechen musste.

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Tochter meldete sich bei Bürgermeister

Die Identifizierung der Absenderin gestaltete sich schwierig: Ihre damalige Adresse war durch Umbenennungen von Straßen und Eingemeindungen nicht mehr gültig, und ihr Nachname hatte sich geändert. Mit Hilfe des Einwohnermeldeamts gelang schließlich die Spur. „Ich bin total überrascht, dass ich da tatsächlich jemanden gefunden habe“, sagte Zimmer. Die Tochter der Verfasserin hatte sich bei ihm gemeldet. Zuerst berichtete die Rhein-Zeitung über die erfolgreiche Suche.

Die 90-Jährige selbst erinnere sich nicht mehr genau an diese spezielle Flaschenpost. „Offenbar hat man früher öfter mal Flaschenpost reingeworfen“, mutmaßte Zimmer. Sie habe wohl nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet. Dennoch: Der Brief kam an – wenn auch mit 68 Jahren Verspätung. Er soll wahrscheinlich im Stadtmuseum ausgestellt werden, vielleicht auch direkt am Rheinufer, falls ein geeigneter Platz bei den Umbauarbeiten gefunden wird.

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