Historische Brückenbögen in Berlin-Köpenick: Anwohner kämpft gegen Abriss der Langen Brücke
Historische Brückenbögen in Köpenick: Anwohner gegen Abriss

Die Lange Brücke in Berlin-Köpenick, ein markantes Bauwerk über die Dahme, steht vor einer umstrittenen Neugestaltung. Das Bauwerk soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden – jedoch ohne die historischen Brückenbögen, die bisher das Stadtbild prägten. Ein Anwohner hat nun Einspruch gegen den Entwurf eingelegt und befürchtet einen nachhaltigen Schaden für das Altstadtensemble.

Hintergrund des Abrissvorhabens

Die Lange Brücke verbindet die Köpenicker Altstadt mit dem Ortsteil Wendenschloss. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Die markanten, gusseisernen Bogenkonstruktionen sind ein charakteristisches Merkmal. Im Zuge der geplanten Sanierung soll die Brücke jedoch komplett erneuert werden. Die beauftragten Planungsbüros – Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG sowie die MOREAN GmbH – haben einen Entwurf vorgelegt, der auf die historischen Bögen verzichtet. Stattdessen ist eine moderne, flachere Konstruktion vorgesehen.

Anwohner kritisiert ästhetische Beeinträchtigung

„Für mein ästhetisches Empfinden ist die Brücke ohne die Bögen kaum zu ertragen“, zitiert die Berliner Zeitung einen Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er sieht das harmonische Gesamtbild der Köpenicker Altstadt gefährdet. Das Rathaus, das Schloss und die Altbauten würden durch die schlichte Neubrücke entwertet. Der Mann hat bereits eine Petition gestartet und fordert eine Überarbeitung der Pläne. „Die Brücke ist ein Teil unserer Geschichte. Man kann sie nicht einfach durch einen funktionalen Betonriegel ersetzen“, so der Anwohner weiter.

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Historische Bedeutung der Brückenbögen

Die Lange Brücke wurde 1892 eröffnet und war eine der ersten Stahlkonstruktionen in Berlin. Ihre Bögen gelten als technisches Denkmal der Gründerzeit. Laut dem Landesdenkmalamt sind die Bögen jedoch nicht denkmalgeschützt, was den Abriss erleichtert. Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick hat dem Neubau bereits zugestimmt. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2024 beginnen und rund 8,5 Millionen Euro kosten.

Reaktionen aus Politik und Verwaltung

Die zuständige Stadträtin für Bauen, Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Die Grünen), betont die Notwendigkeit der Sanierung: „Die Brücke ist marode und muss dringend ersetzt werden. Der Neubau entspricht modernen Standards und wird die Verkehrssicherheit deutlich verbessern.“ Auf die Kritik an der Ästhetik entgegnet sie: „Wir haben den Entwurf mit Denkmalpflegern abgestimmt. Eine originalgetreue Rekonstruktion wäre nicht finanzierbar gewesen.“ Die Opposition im Bezirksparlament fordert jedoch eine erneute Prüfung. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Schubert erklärt: „Die Brücke ist ein Wahrzeichen. Wir sollten alles daran setzen, ihr historisches Erscheinungsbild zu bewahren.“

Auswirkungen auf Anwohner und Tourismus

Köpenick ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die Altstadt zieht jährlich Tausende Touristen an. Viele Gastronomen und Ladenbesitzer fürchten negative Folgen. „Die Brücke ist das Foto-Motiv Nummer eins in der Altstadt“, sagt ein Cafébetreiber. „Wenn sie ihre Bögen verliert, verliert Köpenick einen Teil seines Charmes. Das könnte auch weniger Besucher bedeuten.“ Die neue Brücke soll zwar breitere Gehwege und eine Radfahrspur erhalten, doch die optische Wirkung bleibt umstritten.

Nächste Schritte

Der Anwohner hat angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen. Eine Online-Petition hat bereits über 1.000 Unterschriften gesammelt. Der Bezirk will vor Baubeginn eine Informationsveranstaltung abhalten. Ob der Entwurf noch geändert wird, bleibt offen. Fest steht: Die Lange Brücke wird in den kommenden Monaten im Fokus der Berliner Stadtentwicklung stehen.

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