Seit Wochen irrt der Buckelwal Timmy durch die Ostsee. Nun haben Behörden und Experten die Rettungsbemühungen eingestellt. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, der zunächst für eine aktive Rettung eintrat, kapituliert und spricht von einer aussichtslosen Lage.
Am Dienstag, 1. April, erklärte Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, vor der Presse: „Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt.“ Der Wal liegt fast regungslos in der Kirchsee vor der Insel Poel bei Wismar und atmet nur noch alle fünf Minuten. Eine Sperrzone soll ihm Ruhe zum Sterben geben.
Lehmann, der anfangs an Rettungsversuchen beteiligt war, aber später nicht mehr einbezogen wurde, äußerte sich am 2. April in einer emotionalen Instagram-Story. Er berichtet von stundenlangem Weinen, Trauer und Wut. „Vor einer Woche war die Chance bei 0,1 Prozent. Jetzt ist die Chance bei 0,01 Prozent“, rechnet er vor. Die Entfernung eines vermuteten Geisternetzes aus dem Maul des Wals hätte er selbst auf eine Erfolgswahrscheinlichkeit von fünf Prozent geschätzt, mit enormen Risiken für Tier und Mensch.
Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern warnte, das Netz könnte bereits ins Gewebe eingewachsen sein – ein Eingriff hätte dem Wal schwere Verletzungen zufügen können. Lehmann sagt: „Der Wal kann dabei sterben. Er kann dabei schwer verletzt werden. Ich kann dabei sterben oder schwer verletzt werden.“ Er räumt ein, dass selbst eine erfolgreiche Netzentfernung und Rettung aus dem flachen Wasser nur ein kleiner Schritt gewesen wäre; der Wal hätte aus der Ostsee hinausgeleitet werden müssen, wofür ihm ein Profi-Team und Ressourcen fehlten.
Ein internationales Expertengremium, darunter Vertreter der International Whaling Commission, entschied, den Wal sterben zu lassen. Jede weitere Handlung am Tier sei laut Pressekonferenz des Ministeriums „Tierquälerei“. Lehmann reagiert darauf: „Alles, was ich versuchen würde, versucht hätte, ist aus Sicht der Experten und auch der Öffentlichkeit Tierquälerei – und ich bin kein Tierquäler.“ Der etwa zwölf bis 15 Meter lange Buckelwal irrt seit rund vier Wochen durch die Ostsee und strandete zunächst am 23. März vor Timmendorfer Strand. Nach einer Befreiung saß er seit dem Wochenende in der Wismarer Bucht fest.



