Ein gemeinsamer Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen sowie der oppositionellen SPD zur Stärkung der Mehrsprachigkeit an Schulen hat in Nordrhein-Westfalen eine hitzige politische Debatte ausgelöst. Ziel des Vorstoßes ist es, die fachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern besser zu erfassen, wenn sie diese wegen noch unzureichender Deutschkenntnisse nicht vollständig zeigen können. Scharfe Kritik kommt von der FDP-Opposition, deren Äußerungen für zusätzliche Kontroversen sorgen.
Antrag auf Leistungsüberprüfung in der Muttersprache
Der viel diskutierte Antrag stammt bereits aus dem vergangenen Jahr und wurde nun im Landtag beraten. Für besondere Aufregung sorgte dabei FDP-Fraktionschef Henning Höne. Nach Angaben der Bild erklärte er: „Da sind wir bei Klassenarbeiten auf Arabisch, auf Türkisch, auf Ukrainisch.“ Eine Leistungsbewertung in der Muttersprache der Schülerinnen und Schüler bedeute aus seiner Sicht eine Schwächung der Unterrichtssprache Deutsch und sei „kein Signal in Richtung Integration“.
Landesschulministerin widerspricht entschieden
Landesschulministerin Dorothee Feller von der CDU widersprach den Vorwürfen entschieden. Sie stellte klar, dass Deutsch auch künftig die gemeinsame Bildungs- und Prüfungssprache bleibe. Zugleich warf sie der FDP vor, über soziale Medien falsche Behauptungen zu verbreiten. Rückendeckung erhielt sie vom CDU-Abgeordneten Jonathan Grunwald, der der FDP eine „Lügenkampagne“ vorwarf und erklärte, die Liberalen seien dem „süßen Gift des Populismus“ verfallen.
Mehrsprachigkeit an Schulen: Neue Bildungs- und Berufsperspektiven
Die Regierungsfraktionen und die SPD in Nordrhein-Westfalen wollen die sprachliche Vielfalt an den Schulen durch den Ausbau des Herkunftssprachlichen Unterrichts (HSU) gezielt fördern und als Chance für bessere Bildungs- und Berufsperspektiven nutzen. Das Erlernen der deutschen Sprache bleibt dabei fester Bestandteil des Lehrplans und weiterhin verpflichtend. Nach Ansicht der Grünen kann die Berücksichtigung schulischer Leistungen in der jeweiligen Muttersprache neue Möglichkeiten eröffnen, da inzwischen rund ein Drittel der Bevölkerung eine Zuwanderungsgeschichte hat. Zudem setzen sie sich dafür ein, die Förderung von Mehrsprachigkeit stärker in der Fortbildung von Lehrkräften zu verankern.
Gewerkschaft begrüßt den Vorstoß
Rückhalt erhält der Antrag auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen. In einer Stellungnahme begrüßt sie den Vorstoß des Landtags ausdrücklich. Aus Sicht der Gewerkschaft sei damit ein wichtiger Impuls gesetzt worden, Mehrsprachigkeit als wertvolle Ressource und Bildungschance zu begreifen, anstatt sie vor allem als Problem oder Defizit zu betrachten.



