Ab Freitagnachmittag, dem 31. Juli, sind in allen 16 Bundesländern Sommerferien. Als letztes Bundesland startet Bayern in die sechswöchige Sommerpause. Damit befindet sich ganz Deutschland für insgesamt neun Tage im gemeinsamen Ferienmodus – bis der Unterricht in einigen Ländern wieder beginnt.
Erste Rückkehrer am 10. August
Der erste Schultag nach den Sommerferien fällt in drei Ländern auf den 10. August. An diesem Montag erwacht der Schulalltag in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland wieder. Dort hatten die Sommerferien bereits Ende Juni begonnen. Die letzten Ferien enden in Bayern: Im Freistaat ist der 14. September der erste Schultag.
Die neun Tage, in denen alle Bundesländer gleichzeitig keine Schule haben, sind ein seltener Zustand im deutschen Föderalismus. Üblich ist eine Staffelung der Ferientermine, um die Urlaubswelle über die Sommermonate zu verteilen. Dieses Jahr haben die 16 Länder insgesamt sieben verschiedene Ferienstarttermine vereinbart – ein Ergebnis der jährlichen Abstimmung zwischen den Kultusministerien.
Millionen Schülerinnen und Schüler betroffen
Die Sommerferien betreffen eine große Anzahl von jungen Menschen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, besuchten im zu Ende gehenden Schuljahr rund neun Millionen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildende Schulen in Deutschland. In fast allen Bundesländern wurden dabei mehr Kinder und Jugendliche gezählt als im Vorjahr. Zusätzlich sind etwa 2,3 Millionen Jugendliche an beruflichen Schulen untergebracht – auch sie genießen die Sommerpause.
Zusammen sind damit über elf Millionen Schülerinnen und Schüler in den Sommerferien. Dazu kommen Hunderttausende Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie das Verwaltungspersonal der Schulen. Die Ferienzeit ist auch für den Tourismus eine wichtige Phase, insbesondere in den Urlaubsregionen an der Nord- und Ostsee, in den Alpen und in den Mittelgebirgen.
Warum die Ferien nicht einheitlich sind
Die Koordination der Ferientermine hat in Deutschland eine lange Tradition. Die Kultusministerkonferenz, das Gremium der Länder für Bildungspolitik, erstellt einen Ferienplan, der den Familien Planungssicherheit geben soll. Die unterschiedlichen Starttermine verteilen den Reiseverkehr auf mehrere Wochen und entzerren Autobahnen, Bahnhöfe und Flughäfen. Zugleich kommen die Belange des Tourismus und der regionalen Wirtschaft zur Geltung.
Während Deutschland auf eine Staffelung setzt, fahren andere europäische Länder einheitlich in die Sommerpause. Frankreich etwa hat dieses Jahr eine landesweit gleiche Ferienzeit von Anfang Juli bis zum 31. August festgelegt. Auch in anderen europäischen Ländern gibt es zum Teil zentral festgelegte Sommerferien, allerdings mit unterschiedlichen Zeiträumen. Ein zentraler Ferientermin hat Vorteile bei der Organisation für Familien, kann aber auch zu erheblichen Auslastungsspitzen führen.
Debatte um die Ferienfolge
Die ungleiche Verteilung der Ferien war bereits im vergangenen Jahr Gegenstand einer öffentlichen Debatte. Kritisiert wurde insbesondere, dass Bayern und Baden-Württemberg regelmäßig als letzte Bundesländer in die Sommerferien gehen, während die übrigen Länder bei der Reihenfolge der Starttermine rotieren. In Bayern sind die Sommerferien seit vielen Jahren fest von Anfang August bis Mitte September terminiert.
Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine Ungerechtigkeit für Familien mit schulpflichtigen Kindern, die in verschiedenen Bundesländern leben. Vor allem bei gemeinsamen Urlaubsplanungen werden die unterschiedlichen Ferienzeiten als schwierig empfunden. Bislang hat die Debatte jedoch zu keiner Änderung geführt. Eine Umstellung würde eine Neujustierung der Ferienpläne in allen Ländern erfordern und könnte neue Verteilungskonflikte auslösen.
Was die neun gemeinsamen Ferientage bedeuten
Die neun Tage, in denen in ganz Deutschland keine Schule ist, sind ein Beispiel für die Komplexität des föderalen Schulsystems. In dieser Zeit ruht nicht nur der Unterricht, sondern auch viele Ganztagsangebote und schulische Betreuungsleistungen. Für berufstätige Eltern bedeutet das oft eine besondere Herausforderung bei der Kinderbetreuung, zumal das Angebot an Ferienprogrammen in den Städten und Gemeinden stark variiert.
Für die Schülerinnen und Schüler in Bayern beginnen nun die sechs Wochen Ferien – die letzten in diesem Sommer. Wenn am 14. September der Unterricht wieder beginnt, haben die anderen Bundesländer bereits längere Zeit den Schulbetrieb aufgenommen. Bis dahin bleiben viele Schulen geschlossen, und die künftigen Erstklässlerinnen und Erstklässler bereiten sich auf ihren ersten Schultag vor – auch das ist Teil des jährlichen Rhythmus im Bildungswesen.



