Archäologe über Gruselfund: Knochen in vielen Gärten
Archäologe: Knochen in vielen Gärten

In Braunschweig-Dibbesdorf stieß eine Familie bei Gartenarbeiten auf menschliche Knochen – ein Schädel und weitere Skelettteile. Der Fund sorgte für Aufsehen, doch für Archäologen ist er alles andere als ungewöhnlich. Tobias Uhlig, Archäologe und Experte für historische Bestattungen, erklärt im Interview, warum in vielen deutschen Gärten menschliche Überreste liegen.

Warum Knochenfunde in Gärten keine Seltenheit sind

„Es kamen so gut wie keine Grabbeigaben zum Vorschein“, berichtet Uhlig über den Fund in Braunschweig. „Das deutet auf eine reguläre Bestattung hin, vermutlich aus dem frühen Mittelalter.“ In Niedersachsen gebe es zahlreiche historische Friedhöfe, die im Laufe der Jahrhunderte überbaut wurden. „Viele Gärten liegen auf ehemaligen Kirchhöfen oder Bestattungsplätzen. Die Knochen sind oft nur 30 bis 50 Zentimeter tief vergraben.“

Die Familie in Braunschweig handelte vorbildlich: Sie informierte umgehend die Polizei, die wiederum das Landesamt für Denkmalpflege einschaltete. „Bei solchen Funden ist es wichtig, nichts anzufassen und die Behörden zu verständigen“, so Uhlig. „Nur so können wir die historische Bedeutung sichern.“

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Was tun bei einem Knochenfund?

Uhlig rät: „Wenn Sie auf Ihrem Grundstück auf menschliche Überreste stoßen, bewahren Sie Ruhe. Markieren Sie die Stelle, aber graben Sie nicht weiter. Rufen Sie die Polizei oder direkt die Denkmalbehörde an.“ Die Beamten würden dann prüfen, ob es sich um einen archäologischen Fund oder einen aktuellen Kriminalfall handelt. „Im Zweifel wird immer von einem Verbrechen ausgegangen, bis das Gegenteil bewiesen ist.“

Die Knochen aus Braunschweig werden nun im Labor untersucht. „Wir können anhand der Knochen das Alter, das Geschlecht und mögliche Krankheiten bestimmen“, erklärt Uhlig. „Das hilft uns, die Lebensumstände der Menschen vor tausend Jahren zu verstehen.“

Historische Bedeutung solcher Funde

Der Archäologe betont den wissenschaftlichen Wert: „Jeder Fund ist ein Fenster in die Vergangenheit. Wir lernen etwas über Bestattungsriten, Ernährung und Gesundheitszustand unserer Vorfahren.“ In Niedersachsen seien in den letzten Jahren Dutzende ähnliche Entdeckungen gemacht worden. „Allein 2025 wurden 15 private Grundstücke mit historischen Bestattungen gemeldet.“

Die Funde würden oft von Freiwilligen und Studierenden ausgegraben. „Die Arbeit ist mühsam, aber lohnend“, so Uhlig. „Überall flogen die menschlichen Knochen herum – das klingt gruselig, aber es ist ein normaler archäologischer Prozess.“

Rechtliche Aspekte und Umgang mit den Knochen

Nach der Untersuchung werden die Knochen in der Regel wieder bestattet, oft auf einem nahegelegenen Friedhof. „Das ist eine Frage des Respekts“, sagt Uhlig. „Die Toten haben ein Recht auf eine würdige Ruhestätte.“ Grundstücksbesitzer müssten keine Kosten fürchten: „Die archäologischen Maßnahmen werden vom Land getragen.“

Für die Familie in Braunschweig endete der Gruselfund mit einem besseren Verständnis für die Geschichte ihres Gartens. „Sie waren anfangs geschockt, aber dann sehr interessiert“, erinnert sich Uhlig. „Jetzt wissen sie, dass auf ihrem Grundstück vor 1200 Jahren Menschen lebten und starben.“

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