Der Verein Berliner Unterwelten treibt den Ausbau von Schutzräumen in Berlin voran. Im Fokus steht der Atombunker am U-Bahnhof Pankstraße in Berlin-Mitte, der aus dem Jahr 1977 stammt und knapp 4000 Menschen Platz bietet. Dietmar Arnold, Erster Vorsitzender des Vereins, betont: „Wir sind die Einzigen, die wissen, wie diese Schutzanlagen betrieben werden.“ Der Verein arbeitet an einem eigenen Schutzraumkonzept und will mehrere Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges wieder nutzbar machen.
Führungen im Atombunker Pankstraße
Seit Dienstag bietet der Verein öffentliche Führungen durch den Atombunker an. Derzeit bietet er keinen vollumfänglichen Schutz, da ein gläserner Aufzug und ein neuer Eingang eingebaut wurden. Sollte der Bunker ertüchtigt werden, würde der gesamte U-Bahnhof im Kriegsfall zum Bunker: Ein Teil der Menschen wird im Hauptschutzraum untergebracht, ein weiterer Teil auf Feldbetten entlang der Bahnsteige.
Sicherheit bei Drohnenangriffen
Dietmar Arnold, der selbst einen Drohnenangriff im ukrainischen Lwiw erlebte, zieht Lehren aus den Erfahrungen der Ukraine. „Wenn eine Drohnenbombe in einem U-Bahnhof explodiert, pustet die normalerweise den ganzen Bahnsteig durch. Außer die Druckwelle muss um die Ecke, dann ist man relativ sicher.“ Nur zwei Berliner U-Bahnhöfe seien sicher: Unter den Linden und Rosenthaler Platz.
Pilotanlagen für 1000 Berliner
Der Verein macht derzeit zwei Pilot-Bunkeranlagen wieder flott: die Zivilschutzanlage Blochplatz in Gesundbrunnen und den OP-Bunker in der Teichstraße in Reinickendorf. Insgesamt könnten dadurch rund 1000 Berliner Schutz finden. „Wenn man alle unsere Anlagen ertüchtigen würde, könnte man in ganz Berlin 8450 Menschen schützen“, so Arnold. In Mitte fänden 2700 Menschen Platz.
Ausstattung des Atombunkers
Der Atombunker Pankstraße ist technisch für Wasser, saubere Luft, Toiletten und Nahrung gerüstet. Ein Diesel-Notstromaggregat liefert Strom, eine Filteranlage säubert die Luft. Es gibt 72 funktionstüchtige Toiletten, Babybetten, Milchpumpen und zwei Krankenstationen. Theoretisch können 3339 Menschen plus sieben Aufsichtspersonen Schutz finden. Es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Der Bunker ist für einen Aufenthalt von 14 Tagen ausgelegt.
Umdenken im Zivilschutz
Das Bundesministerium des Innern will den Zivilschutz stärken. In diesem Kontext wird ein modernes Schutzraumkonzept erarbeitet. Arnold betont: „Wir müssen uns heute eher weniger auf ABC-Schutz vorbereiten, aber vor Drohnenbedrohungen sollten wir die Augen nicht verschließen.“ Der Rückbau der Schutzräume begann 2008, doch aktuelle Entwicklungen führen zu einem Umdenken.



