Berlin erhält eine neue Altstadt. Nach jahrelangen Diskussionen und mehreren Wettbewerbsverfahren steht nun der Siegerentwurf für die Bebauung des historischen Molkenmarkts fest. Das Projekt, das unter dem Begriff „Stadtreparatur“ firmiert, soll die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und später durch moderne Bauten ersetzte Mitte Berlins wiederbeleben.
Siegerentwurf: Enge Gassen und schmale Häuser
Der Siegerentwurf für das sogenannte Los 3 stammt von der Bürogemeinschaft P/E/P Architekten + Stadtplaner GmbH aus Münster, zusammen mit Kleihues + Kleihues GvA mbH aus Berlin und Muck Petzet Architekten GmbH aus München. Die Visualisierung zeigt das Baufeld A5 an der Ecke Jüdenstraße und Parochialgasse. Geplant sind enge Gassen und schmale Häuser, die an die historische Bebauung vor der Zerstörung erinnern sollen. „Wir wollen die alte städtebauliche Struktur wiederherstellen, aber mit moderner Architektur“, erklärte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
Wohnungen, Gewerbe und Kultur
Auf dem rund 2,5 Hektar großen Areal entstehen etwa 200 Wohnungen, davon ein Teil gefördert, sowie Gewerbeflächen und kulturelle Einrichtungen. Die Baukosten werden auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Der Baubeginn ist für 2028 geplant, die Fertigstellung soll bis 2032 erfolgen. „Das ist ein Meilenstein für die Wiederbelebung der historischen Mitte“, sagte Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD).
Kontroversen um die Bebauung
Die Pläne waren lange umstritten. Denkmalpfleger und Bürgerinitiativen forderten eine originalgetreue Rekonstruktion der historischen Bebauung, während moderne Architekten für zeitgenössische Lösungen plädierten. Der Siegerentwurf stellt einen Kompromiss dar: Die Parzellenstruktur und die Traufhöhen orientieren sich am historischen Vorbild, die Fassaden sind jedoch modern gestaltet. „Es ist eine gelungene Synthese aus Alt und Neu“, urteilte die Jury.
Auswirkungen auf das Stadtbild
Mit dem Projekt soll das bislang eher nüchterne Areal um den Molkenmarkt wieder zu einem urbanen Zentrum werden. Geplant sind auch eine Tiefgarage und eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die neue Altstadt wird voraussichtlich zu einem Anziehungspunkt für Touristen und Berliner gleichermaßen. „Das wird das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern“, so Gaebler abschließend.



