Wettbewerb für Berlins historische Mitte entschieden
Nach zehn Jahren intensiver Debatte um die Neugestaltung der Berliner Altstadt hat die Jury die Siegerentwürfe für den Bereich um den Molkenmarkt gekürt. Die 16 Gebäude entlang der neu geschaffenen, nur fünf Meter breiten Parochialgasse werden die im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit abgeräumte historische Altstadt teilweise wiederauferstehen lassen: mit Bogengängen, Natursteinfassaden, kombiniert mit dezent beigem Putz, und teils sehr schmalen Häusern, deren Wohnungen sich über zwei Etagen erstrecken.
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) bezeichnete die Entwürfe bei ihrer Vorstellung am 27. Juni 2026 als einen „Meilenstein, der die historische Mitte bewahrt und sie zu einem lebendigen Herzstück für kommende Generationen macht“. Es entstehe ein Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität, „das bezahlbares Wohnen, Kultureinrichtungen und Gewerbe miteinander verbindet“.
220 neue Wohnungen am Molkenmarkt
Lars Dormeyer, Geschäftsführer der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM), erklärte: „Die prämierten Entwürfe schaffen die Grundlage für insgesamt 220 Wohnungen.“ Die WBM tritt als Bauherrin und Vermieterin auf. Gemäß der Kooperationsvereinbarung mit dem Berliner Senat soll die Hälfte der Wohnungen mietpreisgebunden angeboten werden: 30 Prozent zu einer Einstiegsmiete von 7 Euro pro Quadratmeter kalt, 20 Prozent zu 11,20 Euro. Die frei finanzierten 50 Prozent sollen ab 15,88 Euro pro Quadratmeter vermietet werden.
Neben den Wohnungen entstehen im neuen Quartier rund 23.000 Quadratmeter Gewerbefläche, ein Theater und Atelierräume. Zusammen mit Block C, den die landeseigene Degewo entwickelt, sollen am Molkenmarkt insgesamt rund 470 Wohnungen entstehen.
Die fünf Siegerentwürfe im Detail
Der Wettbewerb war in fünf Lose unterteilt. Los 1 umfasst fünf Häuser und wurde vom Team Hemprich Tophof GvA mbH (Berlin) mit Max Dudler GmbH (Berlin) und Simone Boldrin Architettura (Berlin) gewonnen. Los 2 beinhaltet vier Häuser links und rechts der neuen Parochialgasse; Sieger ist das Team von Ey Henkel Architektur GmbH (Berlin) mit Jessenvollenweider Architektur AG (Basel) und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH (Berlin). Los 3 umfasst vier Gebäude, darunter ein großes Eckgebäude mit zweigeschossigen Bogengängen, halbrunden Erkern und einem Vorsprung gegenüber dem Alten Stadthaus. Den Zuschlag erhielt die Bürogemeinschaft P/E/P Architekten + Stadtplaner GmbH (Münster) mit Kleihues + Kleihues GvA mbH (Berlin) und Muck Petzet Architekten GmbH (München). Los 4 erstreckt sich entlang der Molkenstraße und Stralauer Straße mit drei großen Häusern, in denen ein Theater, ein Museum und Ateliers untergebracht werden sollen. Gewinner ist die Bürogemeinschaft Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB (Berlin) mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH (Berlin). Los 5 betrifft die Gestaltungsvorgabe für die umlaufende Arkade am neuen rechteckigen Stadtplatz im Inneren von Block A und ging an das Team von Los 2.
Kosten und Zeitplan
Mehr als 70 Architekturbüros hatten Entwürfe eingereicht. Die Preisrichterin Antje Freiesleben lobte die Qualität der Arbeiten: „Es wäre ein großer Gewinn für Berlin!“ Die WBM wird nach der Jurysitzung ein Vergabeverfahren mit den prämierten Teams durchführen. Aktuell belaufen sich die geschätzten Baukosten (Kostengruppe 200–700) nach Angaben des WBM-Chefs auf 6.800 Euro pro Quadratmeter – 17 Prozent höher als erwartet. Dormeyer hofft jedoch auf Einsparungen im weiteren Planungsprozess. Der Baustart ist für 2028/2029 vorgesehen, die Fertigstellung für 2031/2032.



