Berliner Umfrage: Mehrheit für ÖPNV, aber gegen Einschränkungen
Berliner Umfrage: ÖPNV gewünscht, aber Einschränkungen abgelehnt

Rund 40 Prozent der Berliner nutzen hauptsächlich Busse und Bahnen für ihre Wege, wie eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Berliner Morgenpost ergab. Damit ist der öffentliche Nahverkehr das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel in der Hauptstadt. Nur etwa ein Drittel der Befragten ist überwiegend mit dem Auto unterwegs, zwölf Prozent bevorzugen das Fahrrad und zehn Prozent gehen zu Fuß. E-Bikes, E-Scooter (zwei Prozent) und Motorroller (ein Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle.

Mehrheit für Vorrang des ÖPNV

Zweieinhalb Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 untersuchte die repräsentative Umfrage die Einstellungen der Berliner zur Verkehrspolitik. Im Auftrag der FUNKE Mediengruppe befragte Civey rund 1.500 Berliner ab 18 Jahren vom 24. Juni bis 8. Juli 2026. Die Ergebnisse sind widersprüchlich. Auf die Frage, ob der Berliner Senat den öffentlichen Nahverkehr oder den Autoverkehr priorisieren solle, antwortet jeder zweite Berliner (50 Prozent) mit einem klaren Ja für den ÖPNV. Weitere zehn Prozent sind eher dafür. Deutlich geringer ist die Unterstützung für eine Priorisierung des Autoverkehrs: Nur zehn Prozent wollen klar mehr Vorrang für den motorisierten Individualverkehr, sieben Prozent sind eher dafür. 23 Prozent sind unentschlossen.

Gespaltene Meinung zu höheren Parkgebühren

Diese Mehrheit spiegelt das tatsächliche Mobilitätsverhalten wider und deutet auf eine grundsätzliche Offenheit für die Verkehrswende hin. Doch sobald es konkret wird, schwindet der Konsens. Bei der Frage nach höheren Anwohnerparkgebühren sind die Meinungen nahezu gleichauf: 32 Prozent sind definitiv für eine Erhöhung, 13 Prozent eher dafür – insgesamt 45 Prozent Zustimmung. Dagegen sprechen sich 38 Prozent klar und neun Prozent eher aus, insgesamt 47 Prozent Ablehnung. Acht Prozent haben keine klare Meinung.

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Radwege auf Kosten von Parkplätzen abgelehnt

Noch deutlicher wird die Spaltung beim Thema Radwege. Sollen neue Radwege gebaut werden, auch wenn dafür Parkplätze wegfallen oder Fahrspuren reduziert werden? Insgesamt 44 Prozent der Berliner sagen Ja, darunter 28 Prozent mit „definitiv“. Aber 48 Prozent sagen Nein, davon 38 Prozent mit klarer Ablehnung. Acht Prozent sind unentschlossen. Das Fazit der Umfrage: Berliner wollen bessere öffentliche Verkehrsmittel, sind aber nicht bereit, die damit verbundenen Einschränkungen zu akzeptieren.

CDU verliert deutlich, Linke und Grüne vorn

Diese ambivalente Stimmung fällt mit einer veränderten politischen Landschaft zusammen. Laut aktuellem Berlin-Trend von Infratest dimap im Auftrag des RBB vom 25. bis 29. Juni liegt die Linke mit 20 Prozent vorn, vor den Grünen mit 19 Prozent und der AfD mit 18 Prozent. Die CDU von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner, die die Wahl 2023 mit 28,2 Prozent gewann, ist auf 17 Prozent gefallen und nur noch viertstärkste Kraft. Die SPD steht bei 13 Prozent, FDP und BSW liegen mit je drei Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die CDU hatte die Wiederholungswahl 2023 vor allem mit Verkehrspolitik, innerer Sicherheit und funktionierender Verwaltung gewonnen. Nun sind laut Berlin-Trend die wichtigsten Wahlthemen Wohnen und Mieten (30 Prozent), gefolgt von Mobilität (zwölf Prozent), Migration (acht Prozent), Bildung (acht Prozent) und innere Sicherheit (sieben Prozent). Keiner Partei wird von einer Mehrheit zugetraut, die Probleme zu lösen; 21 Prozent sagen, keine Partei sei dazu in der Lage.

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