Nach mutmaßlich rechten Übergriffen in Cottbus hat der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen. Betroffen ist unter anderem ein evangelischer Pfarrer, der sich in der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ engagiert. Unbekannte Täter sollen vor seiner Wohnungstür randaliert und rechte Aufkleber hinterlassen haben.
Der evangelische Landesbischof Christian Stäblein zeigte sich bestürzt: „Der Angriff auf die Wohnung und damit auf unseren Pfarrer in Cottbus hat mich schwer schockiert.“ Die Kirche trete Gewalt, Drohungen und Einschüchterungsversuchen entschieden entgegen. „Gegen rechtsextremistische Parolen von Angst und Menschenfeindlichkeit setzen wir als Kirche das klare Eintreten für die Würde aller Menschen“, so Stäblein.
Nach Angaben der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ und des Vereins Opferperspektive drangen am Donnerstag zwei Neonazis in das Mehrfamilienhaus ein, traten die Haustür auf und randalierten vor der Wohnung des Pfarrers. Sie hinterließen Aufkleber mit der Aufschrift „Piss Dich nach Berlin“. Die Polizei bestätigte den Einsatz, erklärte jedoch, zunächst keine Einbruchsspuren gefunden zu haben. Der Staatsschutz prüfe nun einen politischen Hintergrund.
In derselben Straße soll zudem eine „antifaschistisch aktive Person“ auf dem Fahrrad bedrängt und verhöhnt worden sein. Ein Mann habe schließlich einen Button mit antifaschistischen Symbolen von einer Tasche gerissen. Die Vorfälle reihen sich in eine Serie rechter Angriffe in Cottbus ein, bei denen in der Vergangenheit auch ein alternatives Wohnprojekt und ein Jugendclub betroffen waren.
Die Opferperspektive verzeichnete für das vergangene Jahr 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe in Brandenburg – ein Höchstwert. Die Zahl der Betroffenen stieg auf 523. Laut Polizeistatistik sind zwei Drittel der politisch motivierten Straftaten im Land dem rechten Spektrum zuzuordnen.



