Rund drei Wochen vor dem Christopher Street Day (CSD) in Magdeburg warten die Veranstalter weiterhin auf konkrete Sicherheitsplanungen. Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin fordern sie eine Anpassung des Schutzkonzepts für die queere Großveranstaltung in Sachsen-Anhalt. „Wir brauchen konkrete Planungen, damit wir uns darauf einstellen können", sagte Falko Jentsch, Sprecher des CSD Sachsen-Anhalt, der Deutschen Presse-Agentur.
Bei einem Gespräch mit den zuständigen Behörden am Dienstag seien jedoch noch keine angepassten Konzepte vorgestellt worden, berichtete Jentsch. Zwar gebe es Hinweise, dass nach der Bluttat in Berlin an verbesserten Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet werde, doch für die Planungen der Veranstalter sei dies noch nicht ausreichend. „Wir sind nicht zuständig für die Sicherheit, aber abhängig davon", betonte der Sprecher.
Anschlag in Berlin: Eine Tote und viele Verletzte
Am vergangenen Wochenende war ein Mann in Berlin mit einem Auto in eine Menschenmenge am Rand des CSD gefahren. Anschließend verletzte er laut Polizei mit einer Machete weitere Menschen. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, sieben davon schwer. Der Angreifer, der als Islamist beschrieben wurde, wurde von Polizeikräften erschossen.
Die Tat hat die Sicherheitslage für queere Veranstaltungen in ganz Deutschland verändert. In Sachsen-Anhalt erhöhte die Polizei nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ihre Präsenz entlang von CSD-Umzügen und -Veranstaltungen. Laut Jentsch ist dies ein Zeichen, dass die Behörden die Bedrohung ernst nehmen. „Das ist ein gutes Zeichen", sagte er mit Blick auf die zusätzlichen Kräfte.
Sicherheitskonzept für Magdeburg: Ortswechsel beschlossen
Für den CSD in Magdeburg am 22. August hatten die Organisatoren bereits vor dem Anschlag in Berlin eine wichtige Entscheidung getroffen: Der Umzug startet nicht wie bisher am Alten Markt, sondern führt über den Domplatz. „Der Marktplatz ist sehr schlecht zu schützen, weil eine vierspurige Straße daran vorbeiführt", erklärte Jentsch. Der neue Versammlungsort biete bessere Bedingungen für Kontrollen und Absperrungen.
Wie das Sicherheitskonzept im Detail aussehen soll, ist nach Angaben der Veranstalter aber noch offen. Sie fordern von den Behörden frühzeitig klare Vorgaben, um Personal, Technik und Abläufe planen zu können. Der CSD Sachsen-Anhalt stehe in engem Austausch mit Polizei und Stadt, so Jentsch. Man brauche jedoch verbindliche Zusagen.
Erfahrungen aus der Vergangenheit: Vorfälle rund um den CSD
Bei der Organisation werde immer wieder deutlich, dass queere Veranstaltungen ein besonderes Sicherheitsrisiko tragen, sagt der Sprecher. Erst im vergangenen Jahr war beim CSD in Köthen die Route aus Sicherheitsgründen nicht vorab veröffentlicht worden. Zuvor hatten Unbekannte in Wernigerode die Tür eines Jugendzentrums in den Farben der Reichsflagge angestrichen. Auch eine mutmaßliche Gewaltdrohung war bekannt geworden.
Diese Vorfälle hätten bei den Organisatoren zu einer erhöhten Wachsamkeit geführt. Sie wiesen zudem darauf hin, dass die Angst in der queeren Community in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Ein durchdachtes Sicherheitskonzept sei daher elementar, um den queeren Menschen ein sicheres Feiern und Demonstrieren zu ermöglichen.
Weitere CSD-Termine und die Bedeutung der Bewegung
In Sachsen-Anhalt haben in diesem Jahr bereits CSD-Veranstaltungen in Dessau-Roßlau, Wittenberg und Sangerhausen stattgefunden. In den kommenden Monaten sind weitere geplant: Naumburg (1. August), Magdeburg (22. August), Halle (12. September) und Stendal (26. September). Die Veranstaltungen erinnern an die Aufstände von queeren Menschen in der Christopher Street in New York 1969. Damals wehrten sich Gäste einer Bar gegen eine Polizeirazzia, was als Auslöser der modernen Freiheitsbewegung gilt.
Für die Veranstalter steht fest: Der CSD bleibt ein wichtiges politisches Signal, auch und gerade in Zeiten wachsender Bedrohung. Die Sicherheitsplanung müsse diesem Anspruch Rechnung tragen, so Jentsch. „Wir brauchen konkrete Planungen, damit wir uns darauf einstellen können", wiederholte er.



