Die Autos der insolventen Fahrschule „Orange“ stehen noch immer auf den Straßen Neuköllns – zur Verwunderung vieler Anwohner. Die Verantwortlichen des Unternehmens sind abgetaucht, doch die Polizei greift nicht ein. Was steckt dahinter?
Herrenlose Fahrzeuge in Neukölln
Seit Wochen parken die typischen orangefarbenen Fahrschulautos an verschiedenen Stellen im Berliner Bezirk Neukölln. Anwohner berichten, dass die Fahrzeuge teils mit abgelaufenen TÜV-Plaketten und verdreckten Scheiben herumstehen. „Es ist ein Trauerspiel“, sagt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. „Die Autos blockieren Parkplätze, und niemand kümmert sich darum.“
Die Fahrschule „Orange“ hatte im Frühjahr 2026 Insolvenz angemeldet. Seither sind die Geschäftsführer nicht mehr erreichbar. Die Fahrzeuge, auf die noch der Name der Firma prangt, wurden einfach zurückgelassen.
Polizei: Keine Gefahr im Verzug
Auf Nachfrage der Berliner Zeitung erklärt die Polizei, warum sie die Fahrzeuge nicht sicherstellt. „Nach derzeitigem Stand stellen die Fahrzeuge keine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar“, so ein Sprecher. „Sie behindern weder den Verkehr noch sind sie offensichtlich verkehrsunsicher.“
Solange die Autos ordnungsgemäß geparkt seien und keine anderen Rechtsgüter gefährdeten, bestehe kein Anlass für eine Sicherstellung. „Die Fahrzeuge sind Eigentum der insolventen Firma. Der Insolvenzverwalter ist für deren Verwertung zuständig“, ergänzt der Sprecher.
Insolvenzverwalter noch nicht aktiv
Der Insolvenzverwalter der Fahrschule „Orange“ hat sich bislang nicht zu den Fahrzeugen geäußert. Branchenkenner vermuten, dass die Kosten für Abschleppung und Verwahrung den Wert der meist älteren Fahrzeuge übersteigen würden. „Bei solchen Fällen ist es oft wirtschaftlicher, die Autos einfach stehen zu lassen, bis sie von selbst verschwinden oder abgeschleppt werden“, erklärt ein Rechtsexperte.
Anwohner ärgern sich indes über die Untätigkeit der Behörden. „Wenn ich mein Auto falsch parke, wird es sofort abgeschleppt. Aber hier passiert nichts“, beschwert sich eine Neuköllnerin. Die Polizei verweist auf die Zuständigkeit des Insolvenzverwalters und des Ordnungsamtes.
Ordnungsamt prüft Maßnahmen
Das Bezirksamt Neukölln teilte mit, dass man die Situation beobachte. „Sollten die Fahrzeuge längerfristig den öffentlichen Raum beeinträchtigen, werden wir gegebenenfalls Maßnahmen einleiten“, so ein Sprecher. Dazu zähle etwa das Aufkleben von Hinweisen oder die Einleitung von Abschleppverfahren – allerdings erst, wenn die Autos als „Sondernutzung ohne Genehmigung“ eingestuft würden.
Bis dahin bleiben die orangefarbenen Fahrzeuge ein vertrautes Bild in Neukölln – und ein Ärgernis für viele.



