Die Verbindung ist schlecht, es knackt, stottert, Sirenen sind im Hintergrund zu hören. Frank Hachemer, freiwilliger Feuerwehrmann und Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, ist auf dem Weg nach Ahrweiler, dem Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz. Sein Ziel: Menschen suchen. Hachemer ist einer von 51.000 Feuerwehrleuten in Rheinland-Pfalz und einer von Hunderten, die bei der Starkregenkatastrophe helfen.
Bundesweit gibt es fast eine Million freiwillige Feuerwehrleute. Sie helfen nicht nur bei Bränden, sondern auch bei Extremwetterereignissen wie der Schneekatastrophe 2019 in Bayern oder den Waldbränden 2019 und 2020 in Ostdeutschland. Die Freiwilligen sind oft die Ersten am Ort der Katastrophe und arbeiten stunden-, tage- oder wochenlang unter Einsatz ihres Lebens – unbezahlt.
Extremwetterereignisse wie in Ahrweiler sind für die freiwillige Feuerwehr eine wachsende Herausforderung. Laut Hachemer hat es zwar einen pauschalen Anstieg von Extremwettereinsätzen gegeben, aber die Ereignisse treffen lokal sehr heftig. Fast alle eingesetzten Kräfte sind Ehrenamtliche. Nur mit Berufsfeuerwehren wären solche Einsätze nicht zu stemmen.
Doch immer weniger Menschen engagieren sich in den Feuerwehren. Pro Jahr verlieren sie im Schnitt über tausend Mitglieder, häufig auf dem Land. Gründe sind die Flucht in die Stadt, Pendeln, demografischer Wandel und stramme Hierarchien. Auch die Vereinbarkeit mit dem Beruf wird schwieriger: Manche Arbeitgeber reagieren verärgert, wenn Mitarbeiter zu Einsätzen ausrücken, obwohl sie gesetzlich zur Freistellung verpflichtet sind.
Die Zahl der Einsätze nimmt zu. In Dallgow (Brandenburg) berichtet Gemeindewehrführer Oliver Frandrup-Kuhr, dass die Einsätze von durchschnittlich 85 pro Jahr im Jahr 2005 auf 112 heute gestiegen sind, mit Unwettereinsätzen sogar auf 170. Seine Truppe leistet auch Amtshilfe, öffnet Türen oder transportiert Patienten.



