Im Berliner Osten fehlen weiterhin Haus- und Kinderärzte. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat die Förderung für neue Praxen aufgrund der Sparpläne des Bundes gestoppt. Dies verschärft die ohnehin ungleiche Verteilung von Fachärzten in der Hauptstadt. Laut einem Bericht der KV Berlin vom Juni 2026 sind die Wartezeiten auf Facharzttermine in den östlichen Bezirken signifikant länger als im Westen. In Marzahn-Hellersdorf beispielsweise müssen Patienten im Durchschnitt 18 Tage auf einen Termin beim Hausarzt warten, während es in Zehlendorf nur 6 Tage sind.
Ursachen der Unterversorgung
Die ungleiche Verteilung hat mehrere Gründe. Zum einen ziehen viele Ärzte in die wohlhabenderen Westbezirke, wo die Praxen höhere Gewinne erwirtschaften. Zum anderen fehlen im Osten Anreize für Neugründungen. Die KV hatte bislang ein Förderprogramm aufgelegt, das Existenzgründern finanzielle Unterstützung bot. Mit dem Wegfall der Bundesmittel ist dieses Programm nun ausgesetzt. „Die Entscheidung des Bundes, die Mittel zu streichen, trifft uns hart. Wir können keine neuen Praxen mehr fördern, obwohl der Bedarf im Osten enorm ist“, sagte ein Sprecher der KV Berlin gegenüber der Berliner Zeitung.
Auswirkungen auf die Patienten
Die Folgen sind für die Bewohner des Berliner Ostens spürbar. Lange Anfahrtswege und überfüllte Wartezimmer sind an der Tagesordnung. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern, da Kinderärzte in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg rar sind. Eine Mutter aus Hellersdorf berichtete: „Ich musste mit meinem kranken Kind zweimal die Woche nach Mitte fahren, weil es hier keinen Kinderarzt mit freien Terminen gab.“ Die KV warnt davor, dass sich die Situation ohne Gegenmaßnahmen weiter zuspitzen werde. Bereits jetzt sind 40 Prozent der Hausarztpraxen in den Ostbezirken über 65 Jahre alt, was in den nächsten Jahren zu einer Pensionierungswelle führen dürfte.
Politische Reaktionen
Die Berliner Gesundheitssenatorin kritisierte die Sparpläne des Bundes scharf. „Es ist inakzeptabel, dass die Bundesregierung die Gesundheitsversorgung in den östlichen Bezirken Berlins vernachlässigt. Wir fordern eine sofortige Wiederaufnahme der Förderung“, erklärte sie. Auch die Opposition im Abgeordnetenhaus brachte einen Antrag ein, der den Senat auffordert, eigene Mittel für die Praxisförderung bereitzustellen. Der rot-grüne Senat prüft derzeit, ob Landesgelder eingesetzt werden können, um die Lücke zu schließen.
Der Bund hingegen verteidigt die Sparmaßnahmen mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums betonte, dass die Länder in der Pflicht seien, für eine ausreichende Versorgung zu sorgen. Die KV Berlin hält dagegen: „Ohne die Förderung werden viele junge Ärzte ihre Praxis im Westen oder im Umland eröffnen, wo die Bedingungen besser sind.“
Zukunftsperspektiven
Um die Versorgung zu verbessern, setzt die KV auf alternative Modelle wie telemedizinische Sprechstunden und mobile Arztpraxen. Erste Pilotprojekte in Marzahn-Hellersdorf zeigen positive Ergebnisse: Die Wartezeiten für Ersttermine konnten um 30 Prozent reduziert werden. Allerdings sind diese Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein, solange die grundlegende Unterversorgung nicht behoben wird. Der KV-Sprecher abschließend: „Wir brauchen dringend eine langfristige Strategie von Bund und Land, um die ärztliche Versorgung im Berliner Osten zu sichern. Sonst droht eine Zweiklassenmedizin.“



