In Niedersachsen warten derzeit rund 1.800 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Das geht aus aktuellen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. Besonders lang ist die Warteliste für Nierentransplantationen: Hier hoffen etwa 1.400 Patienten auf ein passendes Organ. Aber auch Herzen, Lebern und Lungen werden dringend benötigt.
Rückläufige Organspendezahlen
Die Zahl der Organspenden ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Wurden 2020 noch 132 Organe von Verstorbenen in Niedersachsen entnommen, so waren es 2023 nur noch 108. Dieser Trend bereitet den Verantwortlichen große Sorgen. „Jeder Spender kann bis zu sieben Menschen das Leben retten“, betont ein Sprecher der DSO. Die Wartezeiten für ein Organ können bis zu acht Jahre betragen, insbesondere bei Nieren.
Gründe für den Rückgang
Als Hauptursachen für den Rückgang gelten die mangelnde Bereitschaft zur Organspende und die sinkende Zahl der Spender in den Krankenhäusern. Viele Menschen haben keinen Organspendeausweis, und Angehörige sind oft unsicher, ob der Verstorbene einer Spende zugestimmt hätte. Zudem fehlt es an ausreichend geschultem Personal in den Kliniken, um potenzielle Spender zu identifizieren.
Initiativen zur Steigerung der Organspende
Um die Situation zu verbessern, haben verschiedene Organisationen und die Landesregierung Initiativen gestartet. So gibt es Aufklärungskampagnen in Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Auch die Einführung einer Widerspruchslösung wird diskutiert, bei der jeder Bürger automatisch als Spender gilt, es sei denn, er widerspricht aktiv. Befürworter erhoffen sich dadurch eine deutliche Steigerung der Spenderzahlen.
Patientenschicksale
Hinter den Zahlen stehen persönliche Schicksale. Die 45-jährige Sabine M. aus Hannover wartet seit drei Jahren auf eine neue Niere. „Die Dialyse belastet mich sehr. Ich hoffe jeden Tag auf einen Anruf, der mein Leben verändert“, erzählt sie. Auch der 60-jährige Klaus D. aus Braunschweig benötigt dringend ein Spenderherz. „Ohne Transplantation habe ich nur noch wenige Jahre“, sagt er.
Die DSO appelliert an die Bevölkerung, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und einen Organspendeausweis zu besitzen. Nur so könnten die Wartezeiten verkürzt und mehr Leben gerettet werden.



