Simone Mann, Kapitänin der Reederei Eddyline, trotzt den Geschlechterklischees. In Berlin sind lediglich fünf Prozent der Schiffsführer weiblich, bundesweit sind es rund sieben Prozent. Die 65-jährige gelernte Restaurantfachfrau entdeckte ihre Leidenschaft für die Schifffahrt 1999 als Kellnerin auf der „Viktoria“. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem verstorbenen Manns Andenken die Reederei und bietet Sightseeing-Touren auf der Spree an.
Vom Decksmann zur Schiffsführerin
Simone begann als Decksfrau auf der „Viktoria“, einem über 90 Jahre alten Schiff. „Ich habe mich direkt in die Schifffahrt verliebt“, erzählt sie. Über die Stationen Matrosin und Motorenwart qualifizierte sie sich zur Schiffsführerin mit Patent. 2005 kaufte sie mit ihrem Mann Hendrik, genannt Eddy, die „Viktoria“ und gründete die Reederei Eddyline. 2007 ließen sie die „Helgard“ bauen, auf der Simone heute die Gäste empfängt.
Herausforderungen als Frau in der Männerdomäne
Nach Eddys Tod an Krebs 2014 musste Simone das Unternehmen allein weiterführen. „Das ist natürlich nicht immer ganz leicht“, gibt sie zu. Vereinzelt wurden ihr Steine in den Weg gelegt oder Kompetenzen abgesprochen. „Alles in allem stehe ich aber immer zu meiner Crew und wir lösen Probleme gemeinsam.“ Mit Gästen und anderen Schiffführern verstehe sie sich prinzipiell gut.
Wirtschaftliche Hürden und Personalmangel
Die „Helgard“ bietet einstündige Sightseeing-Touren durch Berlin-Mitte für rund 20 Euro. Die Konkurrenz ist groß, und die Buchungen sind verhalten. „Man merkt, dass die Leute gerade weniger Geld für solche Sachen übrig haben“, sagt Simone. Zudem musste sie kürzlich die Anlegestelle wechseln, was zu Kundenverlust führte. Personalmangel zwingt sie, als Schiffsführerin, Kellnerin und Putzkraft in einer Person zu arbeiten.
Ermutigung für junge Menschen
Trotz aller Widrigkeiten rät Simone jungen Menschen, ihren Weg zu gehen. „Solange du bei dir bleibst und weißt, wer du bist, wird es gut gehen.“ Sie ermutigt junge Frauen, die Begeisterung für die Schifffahrt haben, den Beruf der Schiffsführerin zu ergreifen. Am 23. Juli nimmt sie mit der „Viktoria“ am CSD auf der Spree teil, um ein Zeichen gegen Geschlechterrollen zu setzen.



