Ricarda Lang: Mitleid mit Kai Wegner und Kritik am Politikbetrieb
Ricarda Lang: Mitleid mit Kai Wegner und Politik-Kritik

Ricarda Lang, die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, war am Donnerstagabend zu Gast bei der achten „Checkpoint-Revue“ im ausverkauften Comedyclub „Punchline“ am Potsdamer Platz. Die 32-Jährige, die seit 2021 dem Bundestag angehört, berichtete von ihrem schwierigen Start in der Hauptstadt und äußerte sich kritisch über den Politikbetrieb.

Ein schwieriger erster Tag in Berlin

Lang erinnerte sich an ihren ersten Tag in Berlin, der alles andere als erfreulich war. Kurz vor der Ankunft habe ihr damaliger Freund mit ihr Schluss gemacht. Stundenlang sei sie durch die Stadt gefahren und habe schließlich in einem Hostel übernachtet. „Ein schrecklicher erster Tag“, sagte sie. Doch mit der Zeit habe sie Berlin lieben gelernt. Inzwischen bezeichne sie sich selbst als „Jahreszeiten-Berlinerin“: „Sobald die ersten Sonnenstrahlen rauskommen, liebe ich diese Stadt. Dann kann ich mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen.“

Kein Interesse an der Position der Regierenden Bürgermeisterin

Im Gespräch mit Tagesspiegel-Herausgeber Lorenz Maroldt und der stellvertretenden Chefredakteurin Anke Myrrhe machte Lang deutlich, dass sie keinerlei Ambitionen auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin habe. „Ich bin sehr glücklich im Bundestag“, sagte sie lachend. Mit dem amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) habe sie inzwischen Mitleid. „Hast du Scheiße am Schuh, macht dir auch noch ein Vogel auf den Kopf“ – so fasste sie Wegners politische Bilanz der vergangenen Monate zusammen.

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Kritik am Politikbetrieb

Lang kritisierte, dass Politik und Medien zu oft der Logik von Gewinnen und Verlieren folgten. „Wir reden endlos darüber, ob eine Maßnahme ein Erfolg für die Grünen oder die Union ist. Das juckt da draußen aber niemanden.“ Wenn das so bleibe, verliere am Ende die Demokratie selbst. Auch ihre eigene Karriere sei nicht immer nach Plan gelaufen. Als Bundesvorsitzende habe sie Angst gehabt, als „zu jung, zu links, zu unernst“ wahrgenommen zu werden, und sei „nicht stabil genug“ gewesen. „Ich habe mehr Zeit damit verbracht, zu beweisen, wer ich nicht bin“, sagte Lang. Ein dickes Fell habe sie sich dennoch nie zugelegt: „Politische Verantwortung sollte nicht nur etwas für Menschen mit Hornhaut auf der Seele sein.“

Weitere Höhepunkte der Revue

Die achte „Checkpoint-Revue“ bot noch weitere Highlights. In der „Kiekste“-Show führte Lorenz Maroldt durch die absurdesten und liebenswertesten Szenen der Stadt. Der scheidende Tourismuschef Burkhard Kieker hatte einen Gastauftritt und gab mit kölschem Dialekt einen verirrten Touristen. Die Checkpoint-Band feierte Berlin von Adlershof bis Zehlendorf, erstmals verstärkt durch die australische Singer-Songwriterin Georgie Fisher. „Schnuppen“-Zeichnerin Naomi Fearn besang ihre Liebe zum Malen, und Robert Ide verzauberte das Publikum mit einer wahren Liebesgeschichte.

Checkpoint-Quiz und Ausblick

Im Checkpoint-Quiz sicherte sich Onno Söling aus Schöneberg den Titel „Berlinkenner des Monats“ und bewies Gespür für die feineren Töne der Stadtpolitik. Selbst das Zitat „Faust und Mephisto in einer Person“ ordnete er souverän zu: Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, charakterisierte so Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU). Nach einer verlängerten Sommerpause inklusive Berlin-Wahl geht es am 19. November mit der nächsten Revue weiter. Der Vorverkauf läuft bereits.

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