Gedenkstätte Lindenstraße erinnert an den DDR-Volksaufstand
Die Gedenkstätte Lindenstraße und die Stadt Potsdam gedenken am Mittwoch ab 14 Uhr des DDR-Arbeiteraufstands am 17. Juni 1953. Nach einer Kranzniederlegung bietet die Gedenkstätte Sonderführungen zur Protestbewegung an.
In Brandenburg kam es bis zum 21. Juni 1953 in 150 Orten zu Protesten und Kundgebungen – vor allem dort, wo es größere Industrialisierungen gab. An mehr als 700 Orten in der gesamten DDR fanden vor 73 Jahren Kundgebungen, Streiks sowie Erstürmungen von Gebäuden der Polizei und der SED statt. Hunderttausende schlossen sich den Protesten an. Die DDR-Volkspolizei und das sowjetische Militär schlugen den Aufstand blutig nieder. Mehr als 50 Menschen starben.
Den Protestierenden ging es um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, Demokratie und Freiheit. Etwa 15.000 Männer und Frauen kamen im Zusammenhang mit dem Aufstand in Haft.
Proteste im Bezirk Potsdam
Im Bezirk Potsdam wurde unter anderem in Brandenburg an der Havel, Oranienburg, Hennigsdorf, Velten, Königs Wusterhausen, Luckenwalde, Ludwigsfelde, Niemegk, Teltow sowie Potsdam demonstriert. Zahlreiche Menschen wurden auch in die Untersuchungshaftanstalt Lindenstraße 54 eingesperrt. Zuvor, im Jahr 1952, hatte die SED mit dem beschlossenen „Aufbau des Sozialismus“ den politischen Druck in der DDR verschärft. Sie regierte im stalinistischen Geist mit harter Hand. Bürgerrechte waren stark eingeschränkt, selbst geringe Vergehen führten oft zu Haftstrafen.
Hintergründe des Aufstands
Angesichts der schweren Wirtschaftskrise und der mangelhaften Versorgung der Bevölkerung zwang Moskau die DDR-Führung 1953 zu einem Kurswechsel. Zwar versprach der am 9. Juni verkündete „Neue Kurs“ politische und wirtschaftliche Erleichterungen, zugleich hielt die SED jedoch an der Erhöhung der Arbeitsnormen fest. Dadurch wurde die Bevölkerung immer unzufriedener.
Während der Demonstrationen ging es nicht mehr allein um die erhöhten Arbeitsnormen: Das gesamte System wurde infrage gestellt. In Berlin zogen die Protestierenden durch die Straßen und forderten auf Transparenten unter anderem „Freie Wahlen“, „Abzug der Russen“, „Nieder mit Walter Ulbricht“, „Nieder mit der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ und „Wir brauchen keine SED“.
Gedenkveranstaltung
Zum Jahrestag des Aufstands ist der Eintritt in die Gedenkstätte Lindenstraße am Mittwoch frei. Um Anmeldung unter info@gedenkstaette-lindenstrasse.de wird gebeten.



