Kulturausschuss gibt grünes Licht für Versetzung
Der seit Monaten schwelende Streit um das Potsdamer Steuben-Denkmal erreicht eine entscheidende Phase. Der Kulturausschuss der Stadt hat am Donnerstagabend mit knapper Mehrheit für die Versetzung des Denkmals auf den nahegelegenen Steuben-Platz am Landtag gestimmt. Die Abstimmung fiel mit 7 zu 6 Stimmen aus, bei einer Enthaltung.
Gegen den Umzug stimmten die Fraktionen von Grünen, Linken und Die Andere, während sich die Freien Wähler enthielten. Die Befürworter setzten sich aus einer Koalition von AfD, CDU, BfW (Bürger für Potsdam) und SPD zusammen, die allesamt männliche Vertreter in den Ausschuss entsandt hatten.
Endgültige Entscheidung im Stadtparlament
Die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Denkmals fällt jedoch erst am kommenden Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung. Dort könnte der jetzige Beschluss noch gekippt werden, da eine große Fraktion intern uneins ist. Die SPD hat sich zwar im Ausschuss für den Umzug ausgesprochen, doch in der Fraktion gibt es unterschiedliche Meinungen.
„Die Debatte ist noch nicht abgeschlossen. Wir werden in den nächsten Tagen intensiv beraten, wie wir uns in der Stadtverordnetenversammlung positionieren“, erklärte ein SPD-Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel.
Hintergrund des Streits
Das Steuben-Denkmal, das den preußisch-amerikanischen General Friedrich Wilhelm von Steuben ehrt, steht seit Jahren im Zentrum einer Kontroverse. Kritiker werfen Steuben vor, als Sklavenhalter und wegen seiner Beteiligung an der Unterdrückung indigener Völker in den USA eine problematische Figur zu sein. Befürworter hingegen betonen seine Verdienste um die amerikanische Unabhängigkeit und die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Der geplante Umzug auf den Steuben-Platz soll eine Neubewertung des Denkmals ermöglichen, indem es aus dem bisherigen, als unpassend empfundenen Kontext herausgelöst wird. Die Gegner des Umzugs argumentieren, dass dies einer Verdrängung der kritischen Auseinandersetzung gleichkomme.
Politische Fronten bleiben verhärtet
Die Abstimmung im Kulturausschuss spiegelt die tiefen politischen Gräben in der Stadt wider. Während die AfD den Verbleib des Denkmals am alten Standort forderte, plädierten Grüne und Linke für eine vollständige Entfernung. Die CDU und die SPD unterstützen den Kompromiss eines Umzugs.
„Der Umzug ist ein guter Kompromiss, der die Geschichte würdigt, aber auch Raum für kritische Reflexion schafft“, sagte ein CDU-Vertreter. Die Linke hingegen kritisierte: „Ein Umzug allein löst das Problem nicht. Wir brauchen eine umfassende historische Einordnung.“
Ausblick auf die entscheidende Sitzung
Die Stadtverordnetenversammlung tagt am kommenden Mittwoch, dem 20. September, und wird endgültig über den Umzug entscheiden. Beobachter rechnen mit einer erneuten knappen Abstimmung, bei der möglicherweise die Stimmen einzelner Fraktionsmitglieder den Ausschlag geben könnten.
Die Kontroverse um das Steuben-Denkmal hat in Potsdam eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit historischen Denkmälern ausgelöst. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung wird die Diskussion voraussichtlich weitergehen.



