Wo früher Flugzeuge starteten und landeten, entsteht in Berlin-Tegel ein zukunftsweisendes Quartier. Nach der Schließung des Flughafens im November 2020 hat die landeseigene Berlin TXL Management GmbH die Entwicklung des 500 Hektar großen Areals übernommen. Nun steht der Wohnungsbau unmittelbar bevor: Ab August 2026 errichtet die landeseigene Degewo die ersten 337 Wohnungen im sogenannten Schumacher Quartier. Insgesamt sind auf 46 Hektar mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen geplant.
Erste Bauarbeiten im August – bezahlbare Mieten ab sieben Euro
Die Degewo beginnt im August mit bauvorbereitenden Maßnahmen für die ersten Wohnungen. Die Gebäude werden in ressourcenschonender Holzhybridbauweise errichtet. Die Fertigstellung ist für Ende 2028 vorgesehen. Die Mieten sollen bei sieben Euro pro Quadratmeter liegen. Das gesamte Viertel folgt Nachhaltigkeitsprinzipien: erneuerbare Energien, Regenwassermanagement nach dem Schwammstadt-Prinzip und weitgehender Verzicht auf Autoverkehr. Weitere Baufelder erschließt die kommunale Gesobau, auch Genossenschaften sollen in größerem Stil bauen können.
Urban Tech Republic: 42 Unternehmen bereits ansässig
Parallel zum Wohnungsbau wächst die Urban Tech Republic rund um das markante Terminalgebäude. „Am Standort arbeiten mittlerweile 42 Firmen und Institutionen mit etwa 450 Beschäftigten“, berichtet Geschäftsführer Frank Wolters. Die Unternehmen kommen aus den Bereichen Mobilität, Energie, Werkstoffe, Sensorik und digitale Infrastruktur. Ein Beispiel ist das Start-up Earthbound, das in einem Hangar recycelbare Lehmziegel und Mörtel aus Baustellenaushub produziert. „Wir haben für unser Pilotprojekt passende Räume gesucht und in Tegel gefunden“, sagt Gründer Micha Kretschmann.
60 Hektar Experimentierraum für autonome Technologien
Die Urban Tech Republic bietet auf den alten Start- und Landebahnen 60 Hektar „Experimentierraum“. Unternehmen testen hier autonom gesteuerte Autos oder Drohnentechnologie. „In einer technisch und rechtlich sicheren Umgebung“, betont Wolters. Das Start-up Projekt Q testet Radar, Drohnen, Audiosensoren und Kameras zur Gebäude- und Gebietsüberwachung. Geschäftsführer Felix Albrecht sagt: „Für uns ist Tegel entscheidend, weil es solche Flächen sonst in ganz Norddeutschland nicht gibt.“
Vermarktung neuer Grundstücke startet
Bislang nutzten Unternehmen Bestandsgebäude. Nun beginnt die Vermarktung neuer, erschlossener Grundstücke. „Der Abschluss eines Vertrages mit einem ersten Investor für ein 7.000-Quadratmeter-Grundstück steht unmittelbar bevor“, so Wolters. Im Herbst folgt ein zweites Grundstück. 2027 kommen rund 95.000 Quadratmeter Gewerbeflächen auf den Markt, 2028 weitere rund 124.000 Quadratmeter. Die Grundstücke werden im Erbbaurecht vergeben, das Land Berlin bleibt Eigentümer.
Terminalgebäude werden zu Hochschule und Innovationszentrum
Die denkmalgeschützten Terminalgebäude in Sechseck-Form bleiben erhalten. Die Berliner Hochschule für Technik zieht in Terminal A ein. „Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, in Kürze findet der Spatenstich statt“, sagt Wolters. Anfang der 2030er Jahre sollen 2.500 Studenten einziehen. Terminal B wird Gründungs-, Innovations- und Kongresszentrum, der Umbau beginnt 2028. Terminal D wird Technologiezentrum für Mobilität, KI und Robotik, die Bauplanung startet 2027.
Verkehrsanbindung: Straßenbahn bis 2034 geplant
Der Berliner Senat entschied Anfang 2024, eine Straßenbahn an die U6 anzubinden. Die Vorplanung startet demnächst, die Fertigstellung ist für 2034 vorgesehen. „Das kommt für uns natürlich ein wenig spät“, räumt Wolters ein. Er verhandelt mit der BVG über Interimslösungen und schwebt vor, das Start-up-Innovationszentrum ab 2031 mit autonomen Fahrzeugen an U- und S-Bahn anzubinden.



