Die anhaltende Trockenheit in Nordrhein-Westfalen bereitet den Landwirten große Sorgen. „Die Lage ist ernst – wir brauchen möglichst bald einen schönen langen Landregen, also langen gleichmäßigen Niederschlag“, sagt der Agrarexperte Jan-Malte Wichern von der Landwirtschaftskammer NRW in Münster. Während die bereits abgeschlossene Gerstenernte von den Folgen der Trockenheit noch weitgehend verschont geblieben sei, rechne er bei der inzwischen angelaufenen Weizenernte mit Einbußen.
Ursachen für die Ertragseinbußen
„Weil es im Juni so heiß und trocken war, sind die Pflanzen zur Notreife übergegangen: Die Körner sind abgereift und es wurden keine weiteren Körner gebildet – das wird sich im Ertrag bemerkbar machen“, erläutert Wichern. Dadurch hätten die Landwirte die Weizenernte deutlich früher starten müssen als im langjährigen Schnitt. Auch für Roggen erwartet der Experte rückläufige Ernteerträge. Besonders im Rheinland sei es ungewohnt trocken gewesen. In anderen Regionen sehe es etwas weniger gravierend aus. „Regional ist es aber sehr unterschiedlich: Es kann sein, dass doch mal Niederschläge durchgezogen sind und der Boden nicht so trocken ist wie zwei Dörfer weiter“, so Wichern.
Situation bei Mais, Kartoffeln und Gemüse
Bei der Einschätzung für Mais differenziert Wichern. Zwischen gut entwickelten und von der Trockenheit klar gekennzeichneten Beständen sei über das Land verteilt alles dabei. Zwar könne Mais in der Regel mit Trockenheit gut umgehen, doch irgendwann brauche jede Pflanze Wasser. Kartoffeln und Gemüse könnten bewässert werden, was allerdings zu höheren Kosten für die Landwirte führe. „Da die Preise für Kartoffeln aktuell recht niedrig sind, bringen die Bewässerungskosten Landwirte zusätzlich unter Druck“, warnt der Experte.



