Gisela Raff aus Dahlem hat kürzlich ihren 107. Geburtstag gefeiert. Die älteste Einwohnerin von Steglitz-Zehlendorf ist trotz ihres hohen Alters bemerkenswert aktiv und lebensfroh. Sie verpasst keinen Sonntagsgottesdienst in der Neuapostolischen Kirche in Schmargendorf und nahm auch an ihrem Ehrentag daran teil. Erst danach empfing sie Familie und Freunde zu Hause.
Ein besonderer Gottesdienst zum Geburtstag
Im Gottesdienst wurde extra das Lied mit der Nummer 107 aus dem Gesangsbuch gesungen – nicht nur wegen ihres Alters, sondern weil es ihr Lieblingslied ist. Die Gemeinde sang „Hier ist mein Herz, mein Gott, ich gebe es dir“, während ihre Tochter Evelin an der Orgel spielte. Gisela Raff war sichtlich gerührt von den Glückwünschen.
Sport hält fit
Seit ihrem 105. Geburtstag berichtet die Berliner Morgenpost über die rüstige Dame, die sich kaum verändert hat. Sie lebt allein zu Hause, ist neugierig und vor allem sportlich aktiv. Vom Sport-Gesundheitspark e.V. erhielt sie einen Rucksack geschenkt für weitere Trainingseinheiten. „Sport ist wichtig. Wenn ich mal stolpere, falle ich nicht so schnell hin“, sagt sie. Zweimal pro Woche trainiert sie mit Gleichgesinnten.
Herausforderungen meistern
Ihre Sehkraft hat nachgelassen – auf einem Auge sieht sie nur zehn Prozent, auf dem anderen nichts. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und hakt sich bei ihrer Begleitung unter. Kürzlich war sie mit Freunden zum Spargelessen im Umland unterwegs.
Ein Leben voller Glaube und Toleranz
Gisela Raff wuchs evangelisch auf, wechselte aber während der NS-Zeit zur Neuapostolischen Kirche, weil der Pfarrer ein Hitler-Anhänger war. „Man muss doch für alle Seelen ein Herz haben“, betont sie. Ihre Lebensweisheiten: Ehrlichkeit, Nettigkeit, Toleranz und Verständnis. „Immer zufrieden sein, das macht mein langes Leben aus.“
Erinnerungen an die Vergangenheit
Geboren 1919 in Berlin-Lichtenberg, verlor sie ihre Mutter früh. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie nach Berlin zurück, heiratete und zog mehrfach um. Seit 1968 lebt sie in einer kleinen Eigentumswohnung in Dahlem. Ihr Mann starb vor acht Jahren kurz vor seinem 96. Geburtstag. „Er war so ein lieber, ruhiger Mensch, ich war immer die Lebhafte.“
Ein straffer Wochenplan
Ihre Woche ist gut organisiert: Montags und donnerstags hilft eine Frau von der Reha Steglitz beim Einkaufen auf der Domäne Dahlem. Mittwochs ist Sporttag. Sie kocht selbst, isst Spinat oder Nudeln mit Käse und bereitet seit 30 Jahren ihr Frühstücksbrei aus Haferflocken, Buchweizen, Hirseflocken, Leinsamenschrot, Apfel, Honig und Nüssen zu. Allein spielt sie Skat und denkt sich in jedes Blatt hinein. „Ich mogele nicht.“
Glückwünsche von hochrangigen Persönlichkeiten
Zum Geburtstag gratulierten unter anderem Sozialstadtrat Tim Richter (CDU) und der Bundespräsident mit einem Schreiben. Gisela Raff freut sich über jedes „Bleib so, wie du bist“ und verspricht, sich Mühe zu geben. Am Mittwoch wird sie in ihrer Sportgruppe mit den 70- und 80-Jährigen nachfeiern. Für sie ist das kein Alter.



