Ahmad Mansour gehört zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Stimmen in der deutschen Debatte über Islamismus, Integration und Antisemitismus. Der Psychologe mit palästinensisch-israelischen Wurzeln arbeitet mit Jugendlichen gegen Extremismus – und ist dabei selbst zur Zielscheibe geworden. Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich seine Bedrohungslage nochmals massiv verschärft. Er lebt unter dauerhaftem Polizeischutz.
Ein Leben unter ständiger Bedrohung
Mansour berichtet von täglichen Drohungen, die ihn zwingen, seine öffentlichen Auftritte genau zu planen. Die Polizei begleitet ihn zu Vorträgen und Diskussionen. Die Anfeindungen kommen von verschiedenen Seiten: Islamisten sehen in ihm einen Verräter, während linke Aktivisten ihm pauschale Islamfeindlichkeit vorwerfen. „Ich habe gelernt, mit der Bedrohung zu leben“, sagt Mansour im Gespräch mit Melanie Amann für den Podcast „Amann unframed“. „Aber aufgeben werde ich nicht.“
Der eigene Weg aus der Radikalisierung
Mansour blickt auf seine eigene Radikalisierungsgeschichte zurück. Aufgewachsen in Israel in einer palästinensischen Familie, durchlief er selbst eine Phase der Extremisierung. Diese Erfahrung prägt seine heutige Arbeit: Er versteht die Mechanismen, die junge Menschen in den Islamismus treiben. „Ich weiß, wie Verzweiflung und Identitätssuche in Hass umschlagen können“, erklärt er. Seine Methode ist direkte Konfrontation und klare Worte – was ihm nicht nur Freunde einbringt.
Kontroversen um Förderung und Fachkritik
Seine Initiative zur Extremismusprävention wird staatlich gefördert, was Kritik hervorruft. Manchen Fachkollegen gilt er als zu einseitig und zu wenig differenziert. Mansour kontert: „Die Wahrheit darf nicht verschönt werden. Wenn wir den Islamismus bekämpfen wollen, müssen wir die Probleme beim Namen nennen.“ Er verweist auf Erfolge in der Arbeit mit radikalisierten Jugendlichen, die er durch klare Ansprache erreicht habe.
Warum er seinen Ton nicht mäßigt
Trotz der massiven Anfeindungen bleibt Mansour bei seiner kompromisslosen Linie. Er betont, dass der Dialog mit muslimischen Jugendlichen nur dann fruchtbar sei, wenn man Klartext rede. „Ich bin praktizierender Muslim und liebe meinen Glauben“, stellt er klar. „Aber ich kritisiere Missstände in muslimischen Communities, weil ich sie verändern will.“ Seine Botschaft: Demokratie und Islam seien vereinbar, aber bestimmte Traditionen müssten kritisch hinterfragt werden.
Die Diskussion um Ahmad Mansour spiegelt die tiefe Spaltung der Gesellschaft wider. Seine Geschichte zeigt, wie schwierig der Kampf gegen Extremismus in Zeiten zunehmender Polarisierung ist. Mansour bleibt unbeirrt: Er werde weitermachen, koste es, was es wolle. Mehr über seine Arbeit erfahren Interessierte auf seiner Website sowie auf Twitter und Instagram.



