Mönchengladbach. Kai Viehof, Enkel des Allkauf-Gründers, ist ein ungewöhnlicher Millionär. Statt seinen Reichtum zu mehren, gibt er den Großteil freiwillig ab. Der 44-Jährige schlug das eigentliche Erbe im dreistelligen Millionenbereich aus und will auch von dem bereits erhaltenen mittleren zweistelligen Millionenbetrag sieben Achtel spenden oder in gesellschaftlich orientierte Unternehmen investieren.
Der Weg zum Verzicht
Bereits mit 17 Jahren, nach dem Verkauf der Handelskette Allkauf für rund eine Milliarde Mark, fasste Viehof den Entschluss, sein Erbe zu spenden. Sein Vater schenkte ihm früh Aktien und Werte, die heute einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausmachen. Vor etwa zehn Jahren schlug Viehof das eigentliche Erbe aus, das in eine gemeinnützige Stiftung floss, mit der er nichts zu tun hat. Er wollte keine Geschäftsbeziehung zu seiner Familie und haderte mit dem unverdienten Anspruch auf so viel Geld.
Spenden für die Demokratie
Viehof konzentriert sich auf die sieben Achtel seines Vermögens, die er für demokratiefördernde Zwecke einsetzt. Dazu gehören Organisationen wie Hate Aid, die gegen Hass im Internet kämpft, Correctiv, das Medienprojekt, und Brand New Bundestag, das progressive Politiker fördert. Auch die Bürgerbewegung Finanzwende unterstützt er. Seine Spenden sind oft mehrjährig und ermöglichen langfristige Planung.
Impact-Investments
Neben Spenden investiert Viehof in Unternehmen mit sozialem Fokus, wie das Tampon-Start-up Vyld oder das Porridge-Start-up Haferkater, das er beim Wechsel ins Verantwortungseigentum unterstützte. Diese Investments sind risikoreich, aber er hat sie gedanklich bereits abgeschrieben.
Die Herausforderung des Gebens
Viehof räumt ein, dass Spenden gelernt sein will. Er hat Projekte unterstützt, die weniger Wirkung entfalteten, und musste Entscheidungen treffen, Organisationen nicht weiter zu fördern, was ihm die Macht des Geldes bewusst macht. Er plant, seine Rolle als Geldgeber irgendwann zu verlassen und sich stärker dem Aktivismus zu widmen.
Familiäre Beziehungen
Das Verhältnis zu seinem Vater hat sich verbessert. Dieser zeigt sich zunehmend offen für Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Viehof hat erreicht, was er immer wollte: keine Geschäftsbeziehung, sondern fast schon eine Verbündetenrolle.
Experten wie Felix Oldenburg vom Stiftungs-Start-up Bcause sehen in Viehof einen Vertreter einer neuen Generation von Erben, die sich bewusst für Demokratieförderung einsetzen, auch wenn dies eine „Lose-lose-Situation“ darstellt.



