Angriff auf Berliner CSD: Auswirkungen bis nach Sachsen-Anhalt
Angriff auf Berliner CSD: Wirkung bis Sachsen-Anhalt

Die tödliche Attacke am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat auch in Sachsen-Anhalt tiefe Betroffenheit ausgelöst. Ein 21-jähriger Mann soll am späten Samstagabend mit einem Van in eine Menschenmenge gefahren sein, wobei eine Frau ums Leben kam und ein Dutzend weitere verletzt wurden. Der Verdächtige, Abdul B., wird der islamistischen Szene zugerechnet und war polizeibekannt.

CSD-Veranstalter reagieren mit Bestürzung

Falko Jentsch, Sprecher des CSD Sachsen-Anhalt, zeigte sich fassungslos. „Wir waren gestern selbst bis zum Ende vor Ort“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Solche Angriffe lähmten nicht nur die Leichtigkeit der Veranstaltungen, sie führten auch in Sachsen-Anhalt zu einem Teilnehmerrückgang und veränderten den Grundgedanken des CSD. Bereits vor dem Vorfall habe es eine „diffuse Gefahrenlage“ gegeben. „Da sprechen wir schon lange nicht mehr über ein Polizeiauto, das uns begleitet, sondern von Hundertschaften“, so Jentsch.

Folgen für den CSD in Magdeburg

Das Geschehen in Berlin werde wahrscheinlich Konsequenzen für den CSD in Magdeburg am 22. August haben, prognostizierte Jentsch. Erleichtert zeigte er sich, dass die diesjährige Veranstaltung auf dem Domplatz und nicht auf dem Alten Markt stattfindet. „Dort sind die Menschen besser zu schützen, gleichzeitig können wir kurz vor der Landtagswahl am 6. September vor dem Landtag präsent sein.“ In den kommenden Tagen sind Gespräche zur Sicherheitsplanung angesetzt, die nun vor einem „ganz neuen Hintergrund“ stattfänden.

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Justizministerin sieht Parallelen zur Magdeburger Todesfahrt

Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) wies auf die Ähnlichkeiten mit der Todesfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 hin. „Wir wissen aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, was Betroffene, Angehörige und eine ganze Gesellschaft in solchen Momenten durchleben“, sagte sie der dpa. „Die Ereignisse in Berlin reißen bei uns in Sachsen-Anhalt Wunden auf, die längst nicht verheilt sind.“ Bei jenem Anschlag waren ein 340 PS starker Mietwagen durch eine Lücke in den Betonabsperrungen gefahren, fünf Frauen und ein neunjähriger Junge getötet sowie Hunderte verletzt worden. Der Fahrer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Konsequenzen für die queere Community

Jentsch berichtete, dass bereits frühere Vorfälle dazu geführt hätten, dass junge Teilnehmer ausblieben, weil Eltern um ihre Sicherheit fürchteten. „So erreichen CSD-Gegner dann ja ihr Ziel.“ Die geplante Teilnahme des sachsen-anhaltischen Organisatorenteams am Gedenken in Berlin soll dennoch erfolgen. Auch die Landesopferbeauftragte Gabriele Theren drückte ihr Mitgefühl aus und betonte die Notwendigkeit psychosozialer Unterstützung und Entschädigung für die Betroffenen.

Weitere CSD-Termine in Sachsen-Anhalt

Bereits in diesem Jahr fanden CSD-Veranstaltungen in Dessau-Roßlau, Wittenberg und Sangerhausen statt. Als Reaktion auf Sicherheitsbedenken wurde etwa in Köthen die Route im Vorhinein nicht veröffentlicht, nachdem in Wernigerode ein Jugendzentrum mit den Farben der Reichsflagge beschmiert worden war und eine Gewaltdrohung bekannt wurde. Im August und September sind noch Paraden in Naumburg (1. August), Magdeburg (22. August), Halle (12. September) und Stendal (26. September) geplant. Jentsch betonte, dass die Vernetzung mit der Berliner Community eng sei und man auch einen eigenen Truck beim Berliner CSD dabei gehabt habe.

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