Niklas Süle (30) tauscht die Champions League gegen die Kreisliga. Der Innenverteidiger, zuletzt bei Borussia Dortmund unter Vertrag, schließt sich dem SV Tiefenbach an. Beim Trainingsauftakt des Kreisligisten wurde bereits deutlich, was den Ex-Nationalspieler erwartet: Ein Strafen-Katalog, der für so manche Überraschung sorgt.
Kuriose Strafen für den Ex-BVB-Star
Wer in die Dusche pinkelt oder eine Bierflasche zerstört, landet beim Strafen-Roulette. Der Katalog reicht vom Freilos über 60 Liegestütze vor der Mannschaft bis hin zum Kasten Bier. Für Süle besonders relevant: Jedes Bild in der Presse kostet 2 Euro – angesichts des Medieninteresses könnte das teuer werden. Alkohol oder Rauchen während des Spielbetriebs sind mit 15 Euro strafbar. Der Zuschauerschnitt des SV Tiefenbach lag zuletzt bei 60 Besuchern – ein krasser Gegensatz zu den 80.000 im Dortmunder Signal Iduna Park.
Ein Weltstar für den Dorfverein
Für den SV Tiefenbach ist die Verpflichtung eine Sensation. Der 1. Vorsitzende Jürgen Bloch (66) sagt: „Es ist unglaublich, phänomenal. Es gibt keine Ausdrücke für das, was da passiert ist. Guck uns an. Wir sind ein kleiner, bodenständiger Verein und jetzt kommt hier ein Weltstar her. Dafür gibt es keine Steigerung. Für uns ist das absolut verrückt.“ Bloch erinnert sich an den Moment der Bekanntgabe: „Ich hatte Gänsehaut, Herzklopfen und Schweißausbrüche!“ Die Verantwortlichen müssen nun die Infrastruktur anpassen – die Grillbude neben der Eckfahne und die Hecke an der Seitenlinie könnten weichen, um Platz für mehr Zuschauer zu schaffen.
Freundschaft als Türöffner
Hauptgrund für den Wechsel ist Trainer Jason Walzel (32), der seit Jahren eng mit Süle befreundet ist. Ende Juni waren die beiden gemeinsam mit Tiefenbach-Spieler Mergim Gjinovci (32) im Golf-Urlaub in Irland, wo die Zukunft nach dem Profifußball thematisiert wurde. Walzel berichtet: „Wir haben ihn gefragt, ob er nicht Lust hat, mit uns nochmal auf dem Platz zu stehen.“ Nach Rücksprache mit seiner Familie entschied sich Süle schnell. Der Trainer freut sich: „Uns freut sehr, dass er sich für uns entschieden hat.“
Besonderheiten des SV Tiefenbach
Der Verein lebt von Ehrenamt und Tradition. Zum Heimspiel erscheint das legendäre „Lattwald-Magazin“, das Medienwart Norbert Schell seit 1993 ohne Unterbrechung zu jedem Spiel schreibt – seit 33 Jahren keine einzige Ausgabe verpasst. Nach Süles Debüt dürfte ihm der Stoff nicht ausgehen. Edelfan Oskar Denk (93) verpasst seit Jahrzehnten kein Heim- und Auswärtsspiel. Zum Trainingsauftakt brachte er Trainer Walzel einen Sack Kirschen mit – laut dem Coach „die besten Kirschen überhaupt“. Vielleicht bringen sie auch Süle Glück bei seinem Kreisliga-Abenteuer.
Finanzielle und organisatorische Herausforderungen
Mit Süle als Zugpferd werden die Zuschauerzahlen rasant steigen. Der Verein muss sich auf logistische Änderungen einstellen: Mehr Parkplätze, zusätzliche Sitzgelegenheiten und möglicherweise eine Erweiterung der Umkleidekabinen. Auch die Kassenwarte dürften sich über erhöhte Einnahmen durch Eintrittsgelder und Verkäufe freuen, wenngleich die Strafen für Süle selbst eine kleine Einnahmequelle darstellen könnten – sofern er nicht aufpasst. Insgesamt bleibt der Wechsel ein einzigartiges Experiment, das zeigt, dass Fußball auch abseits der großen Bühnen faszinieren kann.



