Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin sucht die Polizei weiter nach dem 21-jährigen Abdul Ballout. Der Tatverdächtige, der am Samstagabend gegen 22 Uhr einen weißen Citroën-Transporter in eine Menschenmenge gelenkt haben soll, war den Sicherheitsbehörden bereits seit Anfang des Jahres als islamistischer Gefährder bekannt. Eine 31-jährige Frau starb, mehrere Menschen wurden verletzt, drei davon lebensgefährlich.
Polizeibekannt und aus der islamistischen Szene
Abdul Ballout ist deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, geboren 2005 in Berlin. Er wird der islamistischen Szene Berlins zugerechnet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen versuchte er bereits, nach Syrien auszureisen, um sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Im vergangenen Jahr wurde er im Libanon auf Hinweis deutscher Behörden festgenommen und zu drei Monaten Haft verurteilt – allerdings wegen geringerer Vergehen als Terrorismus. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er am Flughafen BER erneut in Untersuchungshaft genommen.
Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte Ballout im Mai wegen Vorbereitung einer terroristischen Straftat (§ 89a StGB) zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde gegen die Aussetzung der Strafe ein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte am Sonntag am Tatort: „Die Vielzahl der Straftaten, die Radikalisierung, die hat auch in der Vergangenheit zu einer Verurteilung geführt. Diese Verurteilung wurde auf Bewährung ausgesetzt, dagegen hat die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt.“
Deradikalisierungsprogramm ohne Erfolg
Nach Informationen dieser Redaktion durchlief Ballout zwei Beratungsgespräche in einem Berliner Deradikalisierungsprogramm. Die Justizbehörden hatten dies angeordnet, nachdem er mit islamistischen Einstellungen aufgefallen war. Die Gespräche fanden im Juni und Anfang Juli statt; ein dritter Termin war für die kommende Woche geplant. Dabei handelte es sich um einen sogenannten „Clearing-Prozess“, der klären sollte, ob Ballout für eine reguläre Ausstiegsberatung geeignet ist.
Die Berater stuften den 21-Jährigen jedoch als „kaum durchschaubar“ ein. Seine Aussagen wirkten kalkuliert und angepasst, ein ehrliches Einlassen auf den Prozess sei nicht erkennbar gewesen. Hinweise auf konkrete Gewaltpläne oder aggressives Verhalten hätten sich nicht ergeben. Aufgrund fehlender Ernsthaftigkeit hätten die Berater den Fall ablehnen können.
Wohnungsdurchsuchung und Fahndung
In der Nacht zum Sonntag durchsuchte die Polizei die Wohnung von Abdul Ballout in der Bissingzeile im Bezirk Tiergarten. Ein Roboter und eine Drohne kamen zum Einsatz; Nachbarn berichteten von einer Rauchgranate. In der Wohnung fanden die Beamten lediglich die Mutter und die Schwestern des Tatverdächtigen vor. Am Sonntagvormittag folgte eine Durchsuchung am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg. Die Polizei setzte Spürhunde ein, die Datenträger orten können.
Nachbarn beschreiben Ballouts Familie als freundlich. Ein ehemaliger Mitschüler der Allegro-Grundschule berichtete, Ballout sei vor einiger Zeit in den Libanon gereist, vor drei Monaten zurückgekehrt und habe in Berlin geheiratet. Eine Hochzeitsfeier habe vor dem Mehrfamilienhaus stattgefunden.
Gefährlicher Flüchtiger
Abdul Ballout gilt als bewaffnet und gewaltbereit. Die Polizei warnt davor, ihn anzusprechen. Der Gesuchte ist etwa 1,90 Meter groß, schlank, hat schwarze Haare und trug zuletzt einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.



