Body-Shaming-Debatte: Ariana Grandes Auszeit und die Frage nach dem Umgang mit Star-Körpern
Ariana Grandes Auszeit: Die Body-Shaming-Debatte

Die Ankündigung von Ariana Grandes Management, dass sich die Popsängerin nach ihrer Tour vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen wird, hat eine hitzige Debatte über die Kommentierung von Star-Körpern neu entfacht. Laut dem US-Magazin „People“ begründete das Management die Pause mit „endloser, anhaltender öffentlicher Kritik“. Dieser Schritt wirft ein Schlaglicht auf ein gesellschaftliches Dilemma: Wie können problematische Schönheitsideale kritisiert werden, ohne dass Einzelne zum Gegenstand von Body Shaming werden?

Die aktuelle Welle der Kritik an Grandes Körper

In den sozialen Netzwerken kommentieren derzeit besonders viele Menschen Grandes sehr dünnen Körper, ohne die Hintergründe zu kennen. Als ihr neues Musikvideo zu „petal“ am vergangenen Freitag auf YouTube erschien, zeichnete sich schnell ein Stimmungsbild ab. Kommentare wie „Es geht nicht darum, die alte Ariana zurückzuwollen. Es geht um ihre Gesundheit“ oder „Ariana, geht es dir gut? Das ist eher beunruhigend als herzerwärmend“ dominierten die Diskussion.

Bereits 2023 hatte sich Grande in einem TikTok-Video gegen solche Kommentare gewandt. Sie erklärte, dass der Körper, den viele rückblickend für gesünder hielten, mit einer schwierigen Zeit in ihrem Leben verbunden gewesen sei. Außenstehende könnten nicht wissen, was ein anderer Mensch gerade durchmache. Trotz ihres Appells hält die Debatte an, und die Frage bleibt: Wie sollte über die Körper von Stars, insbesondere von Frauen, gesprochen werden?

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Die Rückkehr extremer Schlankheit als Ideal

Auffällig ist, dass sehr schlanke Körper in sozialen Netzwerken, auf Laufstegen und in der Promiwelt wieder stärker präsent sind. Dieses Schönheitsideal ist jedoch nicht neu: Bereits in den 1990er-Jahren wurde der extrem schlanke Look als „Heroin Chic“ bekannt. In den 2010er-Jahren schien sich das Ideal abzuschwächen, als Body Positivity und Diversität an Bedeutung gewannen. Die „Tagesschau“ berichtete damals von einer Trendumkehr.

Doch von einem vollständigen Bruch mit alten Schönheitsnormen konnte keine Rede sein. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth „Elli“ Lechner erklärte bei Deutschlandfunk Nova, dass zwar mehr Plus-Size-Models auf Laufstegen und in Kampagnen zu sehen waren, aber häufig nur solche, die weiterhin klassischen Normen entsprachen – etwa mit Sanduhrfigur, glatter Haut und perfektem Styling. Das Ideal extremer Schlankheit verschwand nie ganz, wie ein vielzitierter Satz des britischen Models Kate Moss aus dem Jahr 2009 zeigt: „Nothing tastes as good as skinny feels“ („Nichts schmeckt so gut, wie Dünnsein sich anfühlt“).

Soziale Medien als Treiber von Essstörungen

Heute spielt sich ein großer Teil dieser Entwicklung in sozialen Netzwerken ab, wo sich die Vermittlung des Schlankheitsideals verändert hat. Wer früher Models oder Popstars als Vorbilder sah, begegnet heute auf TikTok oder Instagram Influencerinnen und Influencern, die einen scheinbar normalen Alltag zeigen. Dadurch entsteht leichter der Eindruck, ein bestimmter Körper sei für jeden erreichbar.

Besonders sichtbar wurde das unter dem Schlagwort „SkinnyTok“. Unter diesem Hashtag sammelten sich bis zum Sommer 2025 tausende TikTok-Videos über Kalorienzählen, winzige Mahlzeiten oder schnellen Gewichtsverlust. Häufig wurden extrem schlanke Körper als Vorbild präsentiert. TikTok hat den Hashtag inzwischen gesperrt, doch die Inhalte, die extremes Dünnsein glorifizierten, verschwanden nicht. Sie tauchen unter anderen Begriffen oder in ähnlichen Formaten wieder auf.

Psychologinnen sehen darin ein Risiko. Die Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann, frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen, sagt, dass Essstörungen bei Mädchen, weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen erheblich zunehmen. Ein Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Essstörungen sei durch viele Studien belegt.

Dennoch bedeutet das Sehen solcher Inhalte nicht automatisch, dass jemand eine Essstörung entwickelt. Die Psychologin Katrin Giel betont bei Deutschlandfunk Nova, dass Essstörungen komplexe psychische Erkrankungen sind. Inhalte, die extreme Schlankheit verherrlichen, seien nicht die alleinige Ursache, könnten aber bestehende Risikofaktoren verstärken.

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Übergriffiges Kommentieren oder notwendige Kritik?

Damit stellt sich die Frage: Wie lässt sich über solche Entwicklungen sprechen, ohne den Körper einzelner Menschen zum Gegenstand der Debatte zu machen? Die Journalistin Salwa Houmsi beschreibt in ihrem Podcast „House of Houmsi“ genau dieses Spannungsfeld. Sie plädiert dafür, einzelne Menschen nicht aufgrund ihres Körpers zu beurteilen. Gleichzeitig müsse es möglich bleiben, darüber zu sprechen, wenn ein bestimmtes Körperideal in sozialen Netzwerken oder der Popkultur wieder stärker als erstrebenswert dargestellt werde. Fehle dafür die Sprache, lasse sich der gesellschaftliche Druck hinter solchen Entwicklungen kaum noch beschreiben.