Nationaler Bildungsbericht: Weniger Kinder, viele Baustellen – Bildung bleibt Krisenfall
Bildung in Deutschland: Krise trotz Reformen und weniger Kindern

Bildungssystem unter Druck: Nationaler Bildungsbericht 2026 offenbart anhaltende Probleme

Das deutsche Bildungssystem steckt trotz zahlreicher Reformen weiterhin in einer tiefen Krise. Der am Donnerstag veröffentlichte nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ zeigt, dass zwar die Kinderzahlen sinken und damit langfristig weniger Gedränge in Kitas und Schulen droht, doch bleiben gravierende Herausforderungen bestehen. Dazu zählen Sprachschwierigkeiten, soziale Ungleichheiten und der Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Immer mehr junge Menschen verfehlen den Angaben zufolge grundlegende Kompetenzstandards und Bildungsabschlüsse.

Herausforderungen überlagern sich

„Das Bildungssystem steht heute vor diversen Herausforderungen, die sich überlagern und gegenseitig verstärken“, sagte Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation bei der Vorstellung des Berichts gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Zwar habe es viele positive Veränderungen gegeben, etwa den Ausbau der Ganztagsbetreuung und der frühkindlichen Bildung, doch fehle es an einer abgestimmten Steuerung.

Bundesministerin Prien betonte, es handle sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: „Schule allein wird diese große Herausforderung, die wir da zu stemmen haben, nicht lösen können.“ Gefordert seien alle Akteure – von den Familien über Kitas und Kindertagespflege bis zur Kinder- und Jugendhilfe.

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Der Bericht im Überblick

Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht „Bildung in Deutschland“ legt eine umfassende Bestandsaufnahme von der Kita bis zur Hochschule vor und dient als Handlungsgrundlage für Bund und Länder. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Kitas: Erstmals weniger betreute Kinder

Erstmalig ist im Jahr 2024 die Zahl der betreuten Kinder in Deutschland gesunken – vor allem infolge des Geburtenrückgangs. Im Osten zeichnet sich diese Entwicklung bereits seit 2020 ab, nun gilt sie auch für Kinder unter drei Jahren in Westdeutschland. Dennoch besteht weiterhin vielerorts ein hoher Bedarf, und der Anteil der betreuten Kinder steigt noch leicht. Die Lage ist regional sehr unterschiedlich.

Für Prien ist die frühkindliche Bildung der entscheidende Hebel für die gesamte Bildungslaufbahn. „Die Bildungsschere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung – und dann wird sie nur noch unwesentlich geschlossen“, sagte sie. Sie plädierte erneut für verbindliche Sprachtests und frühe Sprachförderung bereits im Kitaalter und kündigte einen Gesetzentwurf noch vor der Sommerpause an.

Grundschule: Weniger Schüler, aber mehr Bedarf

Auch in den Grundschulen ist mittelfristig mit weniger Schülern zu rechnen – aufgrund sinkender Geburtenzahlen und abnehmender Fluchtmigration. Diese Entwicklung wird ab dem Schuljahr 2027/28 zunächst im Primarbereich und später im Sekundarbereich erwartet. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch Entlastung, denn der ab dem nächsten Schuljahr geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler erhöht den Ressourcenbedarf.

Schulbildung: Kompetenzen schwächer, Abhängigkeit vom Elternhaus

Der Bericht bestätigt zwei zentrale Trends: Die Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften werden insgesamt schwächer, und der Bildungserfolg hängt in Deutschland nach wie vor stark vom Elternhaus ab. „Zu viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzziele nicht“, kritisierte Maaz. Der Anteil der Schüler ohne Schulabschluss ist auf acht Prozent der entsprechenden Altersgruppe gestiegen. Prien bezeichnete dies als „nicht hinnehmbar“. Die Länder haben für den Zeitraum 2024 bis 2026 insgesamt 347 Maßnahmen aufgelegt, der Bund weitere 13, um Bildungsungleichheiten zu verringern. Nötig sei jedoch ein koordinierter Ansatz mit klaren Zielsetzungen.

Berufsbildung: Weniger Abschlüsse, Passungsprobleme

Die Zahl der Lehrstellen sinkt, Betriebe und Bewerber finden nicht zueinander – Stichwort „Passungsprobleme“ – und immer häufiger werden Ausbildungen abgebrochen oder Prüfungen nicht bestanden. Mit rund 492.000 Absolventen wurde zuletzt ein neuer Tiefstand bei den Ausbildungsabschlüssen erreicht.

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Hochschulen: Anfängerzahlen steigen, dann Demografie

Die Zahl der Studienanfänger wird in den nächsten Jahren noch steigen und voraussichtlich den bisherigen Höchststand von 520.000 übertreffen. Anschließend wird sich der demografische Wandel auch hier bemerkbar machen. Internationale Studierende sind für Deutschland ein wichtiges Fachkräftepotenzial, sofern sie nach dem Studium im Land bleiben. Bereits heute entfallen 29 Prozent aller Master- und Promotionsabschlüsse in den MINT-Fächern auf sie.

Künstliche Intelligenz: Lernen im Wandel

Die Nutzung von KI verändert das Lernen und Lehren grundlegend. Digitalisierung sei nicht mehr nur eine Frage der technischen Infrastruktur, sondern erfordere eine grundsätzliche Reflexion darüber, wie Lernen, Wissenserwerb und Bildung im Zeitalter künstlicher Intelligenz verstanden werden können, so die Autoren.