Der neue nationale Bildungsbericht offenbart eine zentrale Schwäche des deutschen Bildungssystems: Zu viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzziele nicht. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass der Geburtenknick nun auch in Westdeutschland angekommen ist, was Kitas und Schulen vor neue Herausforderungen stellt.
Sinkende Kinderzahlen, aber keine Entlastung
Erstmals ist die Zahl der in Kitas betreuten Kinder unter drei Jahren auch in Westdeutschland zurückgegangen. Ab dem Schuljahr 2027/28 werden sinkende Schülerzahlen an den Grundschulen erwartet, auch weil die Zuwanderung nachlässt. Doch der Bericht „Bildung in Deutschland 2026“ warnt: Die sinkenden Zahlen bedeuten nicht automatisch eine Entlastung des Systems.
In den Kitas steigen die Beteiligungsquoten weiter leicht an – mehr Kinder eines Jahrgangs werden betreut. Dennoch bestehen insbesondere für unter Dreijährige weiterhin Betreuungslücken. Auch an den Schulen führen sinkende Schülerzahlen nicht zu weniger Druck, da der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung und -betreuung im Primarbereich die Ressourcenbedarfe erhöht. Der Bedarf der Eltern an Ganztagsplätzen bleibt konstant hoch und wird weiterhin nicht gedeckt.
Kompetenzdefizite und soziale Ungleichheit
Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht bestätigt zwei zentrale Erkenntnisse: Die Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften werden insgesamt schwächer, und der Bildungserfolg hängt in Deutschland stark vom Elternhaus ab. „Zu viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzziele nicht“, erklärt Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung. Dies verweise auf längerfristige strukturelle Probleme und eine zentrale Schwäche des Bildungssystems.
Um Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft zu verringern, haben die Länder zwischen 2024 und 2026 insgesamt 347 Maßnahmen und der Bund 13 Maßnahmen aufgelegt. Die Autoren betonen jedoch, dass ein koordinierter Ansatz und klare Zielsetzungen nötig seien, um wirksam gegensteuern zu können.



