Die Polizei in Cottbus ermittelt nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein alternatives Wohnprojekt wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen sind. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag, als mehrere mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllte Flaschen gegen die Fassade des Hauses geworfen wurden. Die Beamten konnten einen kleinen Brand in der Nähe des Projekts löschen. Verletzt wurde niemand.
Ermittlungen wegen versuchten Mordes
Die Polizei erklärte: „Aufgrund der Tatsache, dass sich zur Tatzeit Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes, vorbehaltlich der konkreten Bewertung der Staatsanwaltschaft.“ Da es sich um ein alternatives Szeneobjekt handelt, hat der Staatsschutz eine Ermittlungsgruppe mit der Mordkommission gebildet. Der Schutz des Objekts wurde verstärkt. Die Tatverdächtigen sollen zwischen 15 und 20 Jahre alt sein. Nach ersten Zeugenaussagen wurden zwei Männer beobachtet, die schwarz gekleidet waren. Einer trägt eine Tätowierung am linken Unterarm und eine schwarz-weiß-rote Sturmhaube, der andere ein Langarm-Shirt mit weißem Aufdruck auf der Brust.
Angriff auf queeres Leben
Der Brandanschlag ereignete sich während der Christopher-Street-Day (CSD)-Aktionswochen in Cottbus. Die Bewohner des Wohnprojekts hatten ein CSD-Plakat und eine Regenbogenflagge am Haus angebracht. Lukas Pellio, Sprecher der Initiative Sichere Orte, sagte: „Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus.“ Die Stadt Cottbus, das Zentrum der Niederlausitz, gilt als Schwerpunkt des Rechtsextremismus in Brandenburg. Bereits im Frühjahr waren ein antisemitischer Schriftzug und ein schwarzes Hakenkreuz an die Synagoge in der Fußgängerzone geschmiert worden. In den Flur eines anderen alternativen Wohnprojekts wurde eine Leuchtfackel geworfen. Es gab Drohungen unter anderem an der Wohnung eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Ende April demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Cottbus gegen rechte Gewalt.
Frühere Angriffe auf das Wohnprojekt
Im vergangenen Jahr gab es bereits mutmaßliche Anschläge auf das Wohnprojekt „Zelle 79“. Kurz vor Silvester sei versucht worden, die Tür mit einem Böller aufzusprengen. In einem anderen Fall sei Pyrotechnik auf das Haus geschossen worden, sagte ein Polizeisprecher. Die aktuellen Ermittlungen laufen auf Hochtouren, die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise.



