Berlin bleibt bunt. Dieser Satz stand auf den T-Shirts, die unsere Redaktion gemeinsam mit Leserinnen und Lesern beim Christopher Street Day (CSD) trug. Nur wenige Stunden später raste mutmaßlich Abdul B. mit einem weißen Kleintransporter durch den Tiergarten. Sein Ziel: Menschen, die nach dem CSD durch den Park nach Hause gingen. Eine Frau starb, sechzehn weitere wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Schock sitzt tief.
Der Anschlag und seine Folgen
Abdul B., deutscher Staatsbürger, wohnt keinen Kilometer vom Tatort entfernt. Offenbar kalkulierte er ein, dass die südöstliche Ecke des Tiergartens, weit entfernt von der Party zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule, nicht abgesperrt war. Die Polizei ermittelt wegen Mordes und versuchten Mordes. „Die genauen Umstände der Tat spielen für die Rechten keine Rolle“, warnt Peter Schink, Chefredakteur. Es werde Diskussionen über Überwachung, härtere Strafen und Abschiebungen geben.
Unsere Gesellschaft ist verwundbar, aber nicht zerbrechlich
„Unsere Empathie macht uns verwundbar. Zugleich ist sie unsere stärkste Kraft“, so Schink. Der Anschlag zielt darauf ab, Chaos zu stiften, die freie Gesellschaft anzugreifen und ihre Verwundbarkeit zu zeigen. Doch je mehr Menschen sich von Hass und Spaltung abgrenzen, desto stärker wird die Gemeinschaft. Am Samstag waren über 700.000 Menschen beim CSD – ein Zeichen für ein friedliches, selbstbestimmtes Miteinander.
Freiheit und Sicherheit – kein Widerspruch
„Jede freie Gesellschaft steht vor dem Dilemma, sich schützen zu müssen, ohne sich selbst aufzugeben“, schreibt Schink. „Freiheit ist kein Widerspruch zu Strafverfolgung.“ Terror lebt nicht von Gewalt allein, sondern von seiner Wirkung. Er will Menschen gegeneinander aufbringen und den Glauben an ein friedliches Zusammenleben zerstören. Genau deshalb sei Besonnenheit eine Stärke.
Ein Aufruf zum Zusammenhalt
Berlin ist bunt – und bleibt es. Fast die Hälfte der Stadt hat einen Migrationshintergrund. Menschen verschiedenster Herkunft, sexueller Orientierung und Einkommen leben friedlich zusammen. „Mörder haben in dieser Stadt keinen Platz. Von Extremisten lassen wir uns nicht auseinanderbringen.“ Schon am Sonntag kamen Tausende ans Brandenburger Tor, um Solidarität zu zeigen. „Beim CSD nächstes Jahr müssen noch mehr Menschen kommen. Nichts anderes kann man aus dem Anschlag schlussfolgern.“
Die Gedanken gelten den Opfern, ihren Familien und Freunden.



