Jugendwort des Jahres: Daubner rappt Digga und Macker
Daubner rappt Jugendwort-Kandidaten

Zwei vermeintliche Gewissheiten gelten nicht mehr: Jugendsprache verändert sich ständig – und der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht still. Doch nun ist das Gegenteil der Fall. Die „Tagesschau“-Sprecherin Susanne Daubner hat auf den Social-Media-Kanälen der Nachrichtensendung die zehn Kandidaten für das Jugendwort des Jahres 2026 vorgestellt. Sie jubiliert, rappt und ätzt die Begriffe – eine Performance, die selbst früher einmal junge Menschen als „fresh“ bezeichnen würden.

Longlist mit alten Bekannten

Der kuratierende Langenscheidt-Verlag hat aus zahlreichen Einsendungen die Longlist zusammengestellt. Darunter befinden sich zwei bereits bekannte Begriffe: „Digga“, ein Relikt aus den Nullerjahren, als junge Menschen auf Deutsch zu rappen begannen, und „Macker“, der schon in den Siebzigerjahren in Wohngemeinschaften verwendet wurde. Dass Jugendliche heute so reden wie ihre Eltern oder Großeltern, wirft Fragen auf: Wenn sich nicht einmal die Jugendsprache verändert, was soll sich dann noch ändern?

Daubners Wandlung zur Rapperin

Susanne Daubner, die im März 2026 65 Jahre alt wurde, hat die Begriffe nicht nur verlesen, sondern performt. Bereits 2022 stand „Digga“ auf der Longlist – damals sprach sie die Formel noch wie Lottozahlen. Der unfreiwillige Witz, der aus dem Aufeinandertreffen von Sachlichkeit und pubertärer Kraftmeierei entstand, wurde von Daubner zunehmend bewusst eingesetzt. Dieses Jahr legt sie ihre tiefe Stimme gangstarapartig noch tiefer. Der Einstieg klingt wie ein Clubkonzert: „Liebe Community, es ist wieder soweit: Die Top 10 für das Jugendwort des Jahres stehen fest. Und wir gehen rein!“

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Ragebait, Schere und Selbstermunterung

Bei „Ragebait“, laut Langenscheidt „Content, der absichtlich triggern soll“, zeigt Daubner gespielt missmutig, wie ein Rapper vor einem Battle. Noch mehr Wumms hat die Verkündung von „Schere“. Laut den Spracharchivaren von Langenscheidt drückt der Begriff aus: „Du hast’s verkackt, stehst aber dazu.“ Daubner zuckt mit den Schultern und zieht die Augenbrauen hoch – wie ein jugendlicher Kiffer, der das beste Gras hat fallen lassen. Ihre ambitionierteste Darbietung ist „Du bist gut genug“, basierend auf einer Kollaboration von KitschKrieg mit Shirin David und Blumengarten. Daubner, die normalerweise ein rauchiges Timbre hat, steigt in ihrem kanariengelben Jacket ins höchste Falsett auf, sodass einem fast die Ohren klingeln.

Gute Käse und Ausblick

Für Anerkennung einer Leistung verwenden junge Leute laut Langenscheidt den Begriff „gute Käse“ – ebenfalls auf der Abstimmungsliste. Das Gewinnerwort wird am 28. August bekannt gegeben. Daubners Performance zeigt: Stillstand gibt es nicht, zumindest nicht bei der Tagesschau-Sprecherin.

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