Die bundesweite Initiative »Deutschland spricht« startet 2026 in eine neue Runde. Ziel ist es, Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten zu persönlichen Gesprächen zu verabreden. Der SPIEGEL gehört in diesem Jahr zu den zahlreichen Medienpartnern, die das Projekt unterstützen. Interessierte können sich ab sofort anmelden und werden per Algorithmus mit einer Person aus ihrer Region gematcht, die möglichst anders denkt.
Hintergrund und Erfolg der Initiative
»Deutschland spricht« wurde 2017 von »Zeit Online« ins Leben gerufen. Seitdem haben mehr als 100.000 Menschen an dem Format teilgenommen. Aus der Idee entstand später die internationale Plattform My Country Talks, mit der Medienpartner weltweit ähnliche Gespräche organisieren. Für 2026 hat die »Zeit« ein großes Netzwerk aus regionalen und überregionalen Medienpartnern sowie Aktionspartnern gewonnen. Neben dem SPIEGEL sind unter anderem »Bild«, »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, »Handelsblatt«, »Lausitzer Rundschau«, »Märkische Oderzeitung«, »Mitteldeutsche Zeitung«, »Volksstimme« und »Weser-Kurier« sowie DB InfraGo beteiligt.
Wie läuft die Teilnahme ab?
Um mitzumachen, müssen Interessierte zunächst acht Ja-Nein-Fragen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen beantworten. Ergänzend gibt es drei offene Fragen. Anschließend werden Name, Alter, Geschlecht, Postleitzahl und E-Mail-Adresse angegeben. Die Anmeldung muss per E-Mail bestätigt werden. Ein Algorithmus sucht dann eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner, die oder der möglichst gegensätzliche Antworten gegeben hat und in der gleichen Region wohnt. Wenn ein Paar gefunden wurde, erhalten beide eine E-Mail. Nach beiderseitiger Zustimmung werden die E-Mail-Adressen ausgetauscht, und die Teilnehmenden vereinbaren ein Treffen an einem öffentlichen Ort, etwa einem Café auf halber Strecke.
Termin und besondere Gesprächsorte
Die Treffen finden in diesem Jahr am Sonntag, den 30. August 2026, um 15 Uhr statt. Sollte der Termin nicht passen, kann eine andere Zeit vereinbart werden. Empfohlen wird eine Dauer von 60 bis 90 Minuten, aber auch längere Gespräche sind willkommen. Zusätzlich öffnen in diesem Jahr verschiedene Partner zentrale »Deutschland spricht«-Gesprächsräume, in denen die Eins-zu-eins-Gespräche in einem größeren Rahmen stattfinden können. Diese gibt es in Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Frankfurt (Oder), Magdeburg und Hamburg. Der SPIEGEL lädt 50 Paare zum Gespräch in die SPIEGEL-Kantine in Hamburg ein. Nach dem Matching am 21. August erhalten die Teilnehmenden weitere Informationen zur Anmeldung für diese Räume.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen
Eine Studie von Forschern der Universitäten Harvard und Stanford hat gezeigt, dass Gespräche im »Deutschland spricht«-Format die affektive Polarisierung reduzieren können – also die emotionale Distanz oder Abneigung gegenüber Menschen mit anderer politischer Meinung. Auch die Erfahrungen aus früheren Ausgaben sind positiv: Rund 90 Prozent der Teilnehmenden waren mit ihrem Gespräch zufrieden und würden wieder mitmachen. Die Initiative betont, dass es nicht um das Gewinnen einer Debatte geht, sondern um das Kennenlernen anderer Perspektiven.
Vorbereitung und Grundregeln
Eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig. Hilfreich ist eine offene und neugierige Haltung. Das Gespräch soll freiwillig und respektvoll bleiben. Wenn Teilnehmende das Gefühl haben, dass Grenzen überschritten werden, können sie das Gespräch jederzeit beenden. Die Organisatoren bitten nach dem Treffen um eine kurze Rückmeldung, auf Wunsch auch um ein gemeinsames Foto oder einen Satz zum Gespräch – dies ist jedoch freiwillig. Weitere Informationen zu Anmeldung, Ablauf und Datenschutz gibt es auf der Website der Initiative.



