DLRG-Präsidentin: Schwimmen lernen ist so wichtig wie Lesen und Schreiben
DLRG-Präsidentin: Schwimmen lernen ist so wichtig wie Lesen und Schreiben

Die Präsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt, hat eindringlich davor gewarnt, dass immer weniger Kinder in Deutschland sicher schwimmen können. In einem Interview mit den Kinderreporterinnen Charlotte und Paula von DEIN SPIEGEL betonte sie, dass Schwimmen eine Grundfähigkeit sei, die jeder Mensch beherrschen sollte – vergleichbar mit Lesen, Schreiben und Rechnen.

Sechs von zehn Zehnjährigen können nicht sicher schwimmen

Laut Vogt sind die Zahlen alarmierend: „Sechs von zehn Zehnjährigen in Deutschland können nicht sicher schwimmen. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren sogar noch schlechter geworden“, sagte sie. Als Hauptgrund nannte sie den fehlenden Schwimmunterricht an vielen Schulen. „Es gibt zu viele Schulen, die kein Schwimmbad in der Nähe haben. Auch hier in der Umgebung gibt es zwei Schwimmhallen, die seit Jahren geschlossen sind. Das ist in Deutschland ein häufiges Problem.“

Vogt erklärte, dass der Betrieb von Schwimmbädern sehr teuer sei: „Die Technik muss gewartet, die Energie und das Personal müssen bezahlt werden. Vielen Gemeinden fehlt das Geld dafür, die öffentlichen Bäder zu renovieren. Dann werden sie erst einmal geschlossen.“ Die Folge seien lange Wartelisten für Schwimmkurse in den verbleibenden Bädern.

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DLRG wirbt bei der Politik für mehr Geld für Bäder

Als Präsidentin der DLRG setzt sich Vogt dafür ein, dass die Politik mehr Geld für Schwimmbäder bereitstellt. „Ich war ja selbst auch Politikerin. Das ist von Vorteil bei solchen Gesprächen. Ich weiß, wie in der Politik gearbeitet wird, manche Leute kenne ich noch“, sagte sie. Eine konkrete Idee sei, die Kosten für den Betrieb eines öffentlichen Schwimmbads auf mehrere Gemeinden zu verteilen, da die Bäder oft von Menschen aus benachbarten Orten genutzt würden.

Vogt betonte: „Schwimmen ist eine Grundfähigkeit. So wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das sollte jeder Mensch können. Aber wir müssen das lernen. Wir können das nicht einfach so, wie Hunde zum Beispiel.“

Gefahren im Wasser werden oft unterschätzt

Im Interview warnte Vogt vor den größten Gefahren im Wasser. „Die Strömung wird oft unterschätzt – nicht so sehr im Meer, sondern im See und im Fluss. Dort gibt es mit Abstand die meisten tödlichen Badeunfälle“, sagte sie. Auch der Temperaturunterschied sei gefährlich: „Ist es im Sommer heiß, denkt man sich: Ich springe schnell ins Wasser, da kühle ich ab. Dabei können die Muskeln verkrampfen, dann gerät man in Gefahr.“ Eine weitere große Gefahr sei Alkohol: „Angetrunken darf man nicht schwimmen gehen. Das tun aber viele bei Feten am Strand und verunglücken dann.“

Besonders für Kinder bestehe eine hohe Gefahr in flachem Wasser, da ihr Kopf im Verhältnis zum Körper sehr groß und schwer sei. „Wenn sie sich nach einer Muschel bücken und stolpern, kommen sie oft allein nicht mehr hoch. Für so kleine Menschen gilt, dass die Eltern immer in Greifweite sein sollten“, mahnte Vogt. Leider unterschätzten manche Eltern flaches Wasser und würden am Handy daddeln, anstatt auf ihre Kinder zu achten.

Jungen und Männer sind häufiger betroffen

Auf die Frage, warum vier von fünf Ertrunkenen männlich sind, antwortete Vogt: „Selbstüberschätzung, Geltungsdrang und Scham sind die Gründe. Sie denken, sie können etwas viel besser, als sie es tatsächlich können, sie wollen anderen beweisen, wie mutig sie sind, und es ist ihnen unangenehm, wenn sie etwas nicht können. Viele Jungs trauen sich nicht, zu sagen: ‚Ich kann nicht schwimmen‘, und gehen einfach mit.“

Laut Vogt starben im Jahr 2024 insgesamt 411 Menschen bei Badeunfällen in Deutschland, im Vorjahr waren es 393.

Rettungsschwimmer werden gebraucht

Wer selbst Rettungsschwimmer werden möchte, sollte Ausdauer und Mut mitbringen. „Man muss mehrere Schwimmstile beherrschen: Brust, Rücken und Kraul. Man lernt, in Kleidung zu schwimmen und angezogen auch jemanden abzuschleppen. Und man muss ins Wasser springen und 25 Meter weit tauchen können“, erklärte Vogt. Das Rettungs-Schwimmabzeichen Silber könne man ab 14 Jahren machen, in den Einsatz komme man aber erst ab 16.

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Abschließend gab Vogt den Kindern noch einen Tipp: „Mit den Eltern im Schwimmbad das Reinspringen üben. Das hilft sehr, die Angst davor abzubauen, mit dem Kopf unter Wasser zu sein. Und auch unter Wasser die Augen zu öffnen, sich an dieses Gefühl zu gewöhnen.“ Sie wünsche sich zudem, dass bei Wassersport wie Stand-up-Paddeln oder Kanufahren Schwimmwesten getragen würden: „Leider gibt es dafür in Deutschland keine Pflicht, und viele tragen sie nicht, weil sie schwimmen können. Aber bei einem Unfall geraten auch gute Schwimmer leicht außer Puste. Westen retten Leben.“