Die Gegend um den Anhalter Bahnhof in Berlin-Kreuzberg zählt zu den grünen Oasen der Stadt. Mit Grünflächen, Parks und einem Walderlebnisgelände bietet sie Familien eigentlich viel Raum für Erholung und Spiel. Doch in den vergangenen Monaten hat sich das Bild gewandelt. Immer mehr obdachlose Personen schlagen ihre Zelte in den Büschen auf – teilweise direkt am Zaun des Pausenhofes der Fanny-Hensel-Grundschule. Der Kiez verkommt, beklagen Anwohner. Und sie wollen nicht länger zusehen.
Notstand am Schulzaun: Drogenkonsum und Müll in Sichtweite von Kindern
Die Situation ist brisant: Vor den Augen der Schulkinder wird offen Drogen konsumiert. Spritzen und anderer Müll liegen auf dem Boden. Die Zeltlager der Obdachlosen stehen unmittelbar neben dem Schulgelände. „Es ist unerträglich, dass unsere Kinder jeden Morgen an diesem Anblick vorbeigehen müssen“, sagt eine betroffene Mutter, die anonym bleiben möchte. Der Tagesspiegel berichtete zuerst über die Missstände.
Anwohnerinitiative: Ehrenamtlich gegen den Verfall
Eine Gruppe von Anwohnern hat sich zusammengeschlossen. Sie wollen durch ehrenamtliches Engagement gegensteuern. Die Initiative plant, regelmäßige Aufräumaktionen durchzuführen, um den Müll zu beseitigen. Auch Gespräche mit den Obdachlosen seien geplant, um Konflikte zu entschärfen und Hilfe anzubieten. „Wir wollen nicht vertreiben, sondern Lösungen für alle finden“, erklärt ein Sprecher der Initiative.
Bezirksamt gefordert: Mehr Sozialarbeit und Kontrollen
Die Anwohner fordern auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zum Handeln auf. Sie verlangen mehr Sozialarbeiter vor Ort, die die Obdachlosen betreuen und ihnen den Weg in Hilfsangebote ebnen. Zudem müsse die Polizei regelmäßiger kontrollieren, um den offenen Drogenhandel zu unterbinden. „Alleine packen wir das nicht. Wir brauchen Unterstützung von der Stadt“, so die Initiative.
Schulleitung alarmiert: Kinder fühlen sich unsicher
Die Leitung der Fanny-Hensel-Grundschule zeigt sich besorgt. Der Drogenkonsum und die unhygienischen Zustände am Zaun belasteten die Kinder. „Manche Schüler haben Angst, allein zum Pausenhof zu gehen“, berichtet ein Lehrer. Die Schule habe bereits mehrfach das Ordnungsamt eingeschaltet, doch eine nachhaltige Verbesserung sei ausgeblieben.
Vergleich mit anderen Kiezen: Berliner Problemviertel
Der Anhalter Bahnhof ist kein Einzelfall. In vielen Berliner Kiezen klagen Anwohner über zunehmende Vermüllung und offene Drogenszene. Besonders betroffen sind Gegenden mit Bahnhöfen und Parks, die als Treffpunkte dienen. Die Herausforderung: Eine Lösung darf nicht einfach nur verdrängen, sondern muss soziale Integration und Sicherheit gleichermaßen fördern.
Ausblick: Wie der Kiez gerettet werden kann
Die Anwohner sind entschlossen, ihren Kiez zurückzuerobern. Sie setzen auf regelmäßige Einsätze und fordern langfristige Konzepte von der Politik. Das Bezirksamt hat angekündigt, die Lage zu prüfen. Ob dies reicht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Ohne das Engagement der Bürger würde die Spirale aus Verwahrlosung und Kriminalität weitergehen. Der Kampf um den Kiez am Anhalter Bahnhof zeigt, wie verletzlich urbane Räume sind – und wie wichtig das Zusammenspiel von Anwohnern, Schule und Behörden ist.



