Beim Abschuss einer mutmaßlich ukrainischen Drohne durch die russische Flugabwehr sind am Badeort Archipo-Osipowka bei Gelendschik am Schwarzen Meer sechs Menschen getötet worden, darunter drei Kinder. Rund 40 weitere Personen wurden nach Behördenangaben verletzt. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, bestätigte, dass 17 Verletzte in Krankenhäuser in Gelendschik, im Bezirk Tuapse und in Gorjatschi Kljutsch eingeliefert wurden: „Sie erhalten die notwendige medizinische Versorgung.“
Video zeigt Einschlag mitten auf vollen Badestrand
Ein in sozialen Medien verbreitetes Video, das per OSINT-Analyse verifiziert wurde, zeigt den Moment des Abschusses: Die Drohne wird im Flug getroffen, stürzt dann direkt auf einen Strand voller Badegäste und explodiert in einem Feuerball. Die Aufnahme stammt von einem Augenzeugen und dokumentiert die dramatischen Sekunden vor Ort.
Das eigentliche Ziel der Drohne könnte die nahe gelegene Gasverdichterstation Beregowaja gewesen sein, eine der wichtigsten Industrieanlagen Russlands. Sie ist Ausgangspunkt der Erdgaspipeline Blue Stream, die durch das Schwarze Meer in die Türkei führt. Nur wenige Kilometer entfernt liegt zudem die Sommerresidenz von Kremlchef Wladimir Putin.
Warnsystem versagt – Anwohner berichten von fehlenden Sirenen
Für Empörung sorgt das offenbar versagende Warnsystem. Der Bürgermeister von Archipo-Osipowka, Alexej Bogodistow, hatte um 8.34 Uhr eine Drohnenwarnung herausgegeben, diese aber zehn Minuten später wieder aufgehoben, wie das oppositionelle Portal Meduza berichtet. Viele Augenzeugen gaben an, keine Sirenen gehört zu haben. Lokale Medien berichten, das Warnsystem habe nicht funktioniert.
Während russische Behörden von herabgestürzten Trümmern sprechen, die auf Badende fielen, behaupten ukrainische Telegram-Kanäle, die Drohne sei durch elektronische Störmaßnahmen außer Kontrolle geraten. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Auf dem Video sind jedoch unmittelbar vor dem Absturz deutlich Schüsse der Flugabwehr zu hören.
Verheerendster Vorfall seit Beginn der Drohnen-Offensive
Der Vorfall zählt zu den verheerendsten auf russischem Boden seit Beginn der ukrainischen Drohnen-Offensive. Zudem meldete der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Krim, Sergej Aksjonow, drei getötete Zivilisten bei einem nächtlichen Angriff auf die annektierte Halbinsel. Nähere Angaben zu Opfern und Ort machte er nicht.
Die Ereignisse werfen erneut Fragen zur Sicherheit der Zivilbevölkerung und zur Effektivität der Warnsysteme in Kriegsgebieten auf. Die Behörden haben Ermittlungen aufgenommen, während die internationalen Reaktionen auf den Vorfall bislang ausbleiben.



