Elfjähriger züchtet Rassehühner und gewinnt Preise
Elfjähriger züchtet Rassehühner und gewinnt Preise

Niklas (11) züchtet auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein Rassehühner – ganz ohne Bruthenne. Stattdessen nutzt er eine Brutmaschine, die die Eier bei 37,7 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ausbrütet. „Viele denken, die Henne brütet das Ei aus“, sagt Niklas. „Aber der Bruttrieb ist bei Hühnern nur in manchen Monaten ausgeprägt.“ Deshalb übernimmt die Maschine den Job. Seit etwa sechs Jahren betreibt der Elfjährige die Hühnerzucht, angeregt durch seinen Onkel Thomas, Vorsitzender eines Rassegeflügelzuchtvereins.

150 Hühner und drei Rassen

Niklas und seine zehnjährige Schwester Ina-Lena kümmern sich gemeinsam um rund 150 Hühner. Sie züchten drei Rassen: New Hampshire, Zwerg-New-Hampshire und Zwerg-Brahma in der Färbung „Gelb-Schwarzcolumbia“. Alle Hühner tragen nummerierte Ringe am Bein, ähnlich einem Personalausweis. Die tägliche Pflege umfasst Füttern, Tränken und Ausmisten – etwa eine Stunde pro Tag. Die Hühner fressen Gemüsereste, Salatblätter, Kartoffelschalen und Äpfel, besonders gern Wassermelone. „Am meisten stehen sie auf Körner. Das ist wie Schokolade für die“, erklärt Niklas. Meistens erhalten sie jedoch Pellets, ein spezielles Futter mit allen Nährstoffen.

Brutmaschine ersetzt die Henne

Die Brutmaschine wärmt und wendet die Eier, damit die Embryonen nicht an der Schale festkleben. Nach 21 Tagen schlüpfen die Küken. Kurz vor dem Schlupf wird die Luftfeuchtigkeit erhöht, damit die Küken nicht austrocknen. „Zu beobachten, wie ein Küken schlüpft, ist super“, sagt Niklas. Die Küken sind zunächst glitschig und zerbrechlich und müssen in den ersten Tagen unter einer Wärmelampe bleiben, da sie ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können. Aktuell hat Niklas 108 Küken, die vor vier Wochen geschlüpft sind. Ob es Hähne oder Hennen sind, ist noch unklar: „Wenn sich auf dem Kopf eines Jungtiers frühzeitig ein Kamm abzeichnet, wird es ein Hahn.“

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Gefahren und Verluste

Die größte Gefahr für die Hühner ist der Habicht. „Wenn er auftaucht, schlagen die Hähne sofort Alarm. Dann rennen alle Hühner schneller in den Stall, als du gucken kannst“, berichtet Niklas. Einmal haben die Hähne zu spät gewarnt – von einigen Hühnern waren nur noch Federn übrig. Eine Henne kämpfte jedoch gegen den Habicht und überlebte verletzt. „Da waren wir mächtig stolz“, sagt Niklas. Wenn Lieblingshühner sterben, werden sie auf der Wiese hinter dem Haus begraben. Einige Hühner, die nicht zur Zucht benötigt werden, werden geschlachtet, um eine Überpopulation zu vermeiden. „Aber dabei gucken wir nicht zu, das wäre zu hart“, betont der Elfjährige.

Wettbewerbe und Preise

Niklas und Ina-Lena nehmen regelmäßig an Rassegeflügelschauen und Wettkrähen-Wettbewerben teil. Beim Wettkrähen zählt eine Jury, wie oft ein Hahn in einer Stunde kräht. Ein Hahn von Niklas erreichte 108 Striche – ein Rekord. Bei den Schönheitswettbewerben wird nicht das hübscheste Huhn gekürt, sondern das, das dem Rassestandard am nächsten kommt. Die Preisrichter bewerten Farbe des Gefieders, Größe, Kammform und mehr. „Die Zacken des Kamms müssen in gleichmäßigem Abstand zueinander stehen. Wenn nicht, nennt man das eine M-Zacke. Für so eine Fehlstellung kriegt ein Hahn null Punkte“, erklärt Niklas. Vor der Schau werden die Hühner einer Schönheitspflege unterzogen: Füße waschen, Öl oder Vaseline auf Füße, Kamm und Kehllappen auftragen, Federkleid reinigen. „Zum Glück sind unsere Zuchthühner braun. Ich hätte keine Lust, ein weißes Huhn zu putzen“, scherzt er.

Zukunft und Traum

Für die kommende Saison träumt Niklas vom Gewinn der deutschen Jugendmeisterschaft in Erfurt. Doch für ihn geht es nicht nur um Preise: „Das Tolle daran ist die Zeit, die man mit den Tieren verbringt. Wenn ich genervt bin oder Stress in der Schule habe, gehe ich zu den Hühnern. Es fühlt sich beruhigend an, sie zu streicheln oder einfach zu beobachten.“ Die Familie hat bereits mit der Zucht von Wachteln begonnen. Niklas wünscht sich einen Taubenschlag, seine Schwester hätte lieber Enten. „Mal sehen, welche Tiere wir als nächste züchten“, sagt er.

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