Europäische Ermittler haben ein internationales Online-Netzwerk zerschlagen, in dem Männer ihre Partnerinnen systematisch betäubten, sexuell missbrauchten und die Taten im Internet verbreiteten. Bei der Aktion, die unter dem Namen „Projekt Medusa“ lief, wurden 57 Männer festgenommen und 158 Opfer in Sicherheit gebracht. Die Operation wurde maßgeblich vom Bundeskriminalamt (BKA) und dem Hamburger Landeskriminalamt (LKA) geleitet, koordiniert von Europol in Den Haag.
Hintergrund der Operation
Das „Projekt Medusa“ startete im April 2026 mit dem Ziel, Online-Netzwerke zu zerschlagen, in denen Täter ihre Partnerinnen betäubten und missbrauchten. Die Aufnahmen wurden in frauenfeindlichen Gruppen in sozialen Medien geteilt. Die Täter tauschten dort auch Erfahrungen und Tipps aus, etwa zur Wirksamkeit von Drogen und Betäubungsmitteln sowie zur Beschaffung dieser Substanzen. Insgesamt waren neun Länder an dem Einsatz beteiligt, darunter Deutschland und Großbritannien, die die Führung übernahmen. Europol koordinierte die Aktion.
Ergebnisse der Operation
Nach Angaben von Europol führte der Einsatz im Juni zu 274 neuen Spuren. Bei den Tätern handelt es sich überwiegend um Männer, die ihre eigenen Partnerinnen betäubten und sexuell missbrauchten. Im Zuge der Operation wurden vier neue Netzwerke entdeckt. Einzelheiten zu den Heimatländern der Täter oder Opfer nannte Europol mit Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht. Die Festnahmen erfolgten in mehreren Ländern, unter anderem in den Niederlanden, wo die Polizei im Juni vier mutmaßliche Täter festnahm, nachdem sie Hinweise von britischen und deutschen Kollegen erhalten hatte.
Verbindung zum Fall Pelicot
Die Vorgehensweise erinnert an den Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann Dominique über fast zehn Jahre hinweg immer wieder betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten wurde. Der Fall hatte internationale Aufmerksamkeit erregt und gezeigt, dass solche Taten kein Einzelfall sind. Europol betonte, dass der Missbrauch von Partnerinnen durch Betäubung ein wachsendes Problem darstelle, dem mit internationaler Zusammenarbeit begegnet werden müsse.
Ausblick
Die Ermittlungen laufen weiter. Europol und die beteiligten Behörden arbeiten daran, weitere Täter zu identifizieren und Opfer zu schützen. Die Operation „Medusa“ gilt als ein wichtiger Schritt im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum. Die Behörden appellieren an die Öffentlichkeit, verdächtige Aktivitäten zu melden, um ähnliche Taten zu verhindern.



