Berlin-Wahl: Linke erstmals auf Platz eins – Elif Eralp will Bürgermeisterin werden
Linke in Umfrage vorn: Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden

Berlin steht möglicherweise vor einem politischen Erdrutsch: Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September liegt die Linke einer aktuellen Umfrage zufolge erstmals auf Platz eins. Spitzenkandidatin Elif Eralp hat angekündigt, den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ablösen und selbst Chefin im Roten Rathaus werden zu wollen. Eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD hätte rechnerisch eine Mehrheit.

Umfragehoch für die Linke

Laut dem Berlin-Trend von Infratest dimap im Auftrag des RBB, veröffentlicht am Mittwoch, käme die Linke auf 20 Prozent der Stimmen, die Grünen auf 19 Prozent, die AfD auf 18 Prozent. Die CDU, die 2023 noch mit 28 Prozent klar vorn lag, stürzt auf 17 Prozent ab. Die SPD erreicht nur 13 Prozent. Die Umfrage bildet lediglich das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab und ist keine Prognose.

„Ja, es sind erstmal nur Umfragen. Aber sie zeigen, dass ein anderes, ein sozialeres Berlin möglich ist!“, sagte Eralp am Vormittag im Landesparlament. Die Linke hatte zuvor auf ihrem Landesparteitag im April das Ziel ausgegeben, die stärkste Kraft zu werden und den Regierenden Bürgermeister zu stellen.

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Wer ist Elif Eralp?

Die 45-jährige Rechtsanwältin und Mutter von zwei Kindern ist vielen Berlinern bis vor Kurzem kaum bekannt. Geboren in München, aufgewachsen in Dortmund und Hamburg, studierte sie Rechtswissenschaften in der Hansestadt und schloss mit Prädikat ab. Ihre Eltern, Sozialisten und Gewerkschafter, flohen aus der Türkei. Schon als Kind ging Eralp auf Demonstrationen und gründete mit zehn Jahren einen „Umwelt-Club“. Später engagierte sie sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Seit 2010 arbeitete sie als Referentin für Rechtspolitik der Linke-Bundestagsfraktion, von 2018 bis 2023 war sie im Linke-Landesvorstand. Seit 2021 sitzt sie im Abgeordnetenhaus, wo sie durch scharfe Angriffe vor allem auf die CDU auffällt. Themen wie Rassismus und Mietwucher treiben sie um. „Ich will Berlin bezahlbar machen. Kai Wegner macht genau das Gegenteil“, erklärte sie auf dem Linke-Landesparteitag im April. „Deswegen gehört er abgelöst, und das Rote Rathaus muss endlich wirklich rot werden.“

Koalitionsoptionen und Hindernisse

Rechnerisch wäre ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD möglich, aber auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD könnte eine Mehrheit haben. Innerhalb von Grünen und SPD gibt es Skepsis gegenüber einer linken Regierungschefin. Manche befürchten eine zu starke Linksverschiebung oder kritisieren die Haltung der Linken zu Israel und Antisemitismus. CDU-Spitzenkandidat Wegner warnte auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar vor der Linken als „Hauptkonkurrenten“ und bezeichnete sie als „klar antisemitische Partei, die sich immer weiter radikalisiert“.

Eralp selbst zeigte sich zuversichtlich: „Wenn ein Linker in New York gewinnen kann, dann genauso gut in Berlin“, kommentierte sie im November den Wahlsieg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der Bürgermeisterwahl in New York. Die Linke werde im September das beste Ergebnis holen, das die Partei in Berlin je eingefahren habe. Berlins Landesvorsitzende Kerstin Wolter ergänzte: „Was glaubt ihr, was hier los ist, wenn wir im September die Bürgermeisterin stellen werden. Dann wird die Republik Kopf stehen.“

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