Freundschaften werden wie Liebesbeziehungen behandelt – Essay
Freundschaften wie Liebesbeziehungen: Ein Essay

Ariane Bemmer schildert in ihrem Essay eine alltägliche Frustration: Eine langjährige Freundin antwortet nicht auf mehrere WhatsApp-Nachrichten. „Warum meldet die sich nicht? Was soll denn das?“, fragt sie sich. Diese Situation ist Symptom eines tieferen Problems: Freundschaften werden immer häufiger wie romantische Beziehungen behandelt.

Die WhatsApp-Stille und ihre Deutung

Die Autorin beschreibt, wie sie begann, sich zu ärgern, weil die Freundin nichts von sich hören ließ. Sie schickte mehrere Nachrichten, doch blieb stumm. „Will sie mir damit etwas sagen?“, überlegt Bemmer. Die Reaktion: „Dann melde ich mich jetzt auch nicht mehr. Pah!“ Diese kindliche Trotzreaktion zeigt, wie sehr emotionale Abhängigkeit in Freundschaften Einzug gehalten hat. Statt Gelassenheit tritt eine Besitzanspruchshaltung, die sonst in Liebesbeziehungen üblich ist.

Freundschaft als neues Ideal der Intimität

Der Essay beleuchtet einen gesellschaftlichen Trend: Freundschaften werden zunehmend als Ersatz für romantische Partnerschaften gesehen. Während Ehe und Familie an Verbindlichkeit verlieren, sollen Freunde emotionale Tiefe und Verlässlichkeit bieten. „Wer gute Freunde hat, ist glücklicher und lebt länger“, zitiert Bemmer eine bekannte These. Doch dieser hohe Anspruch führt zu Enttäuschungen, wenn Freunde nicht den Erwartungen entsprechen.

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Die Komplexität moderner Freundschaften

Die digitale Kommunikation verschärft das Problem. Ständige Erreichbarkeit über Messenger wie WhatsApp erzeugt die Illusion von Nähe, aber auch Druck: Eine ausbleibende Antwort wird als Ablehnung gedeutet. Bemmer fragt sich, ob die Gesellschaft zu viele Ansprüche an Freunde stellt. Im Essay wird deutlich, dass Freundschaften heute oft wie Liebesbeziehungen gepflegt werden müssen: mit regelmäßiger Aufmerksamkeit, emotionaler Unterstützung und exklusiver Zeit. Fehlt dies, droht Frustration.

Eine Generation zwischen Einsamkeit und Überforderung

Besonders jüngere Menschen neigen dazu, Freundschaften zu romantisieren. Sie suchen in ihnen den Seelenverwandten, den Lebensbegleiter. Doch diese Erwartungshaltung ist riskant, denn Freunde haben eigene Leben und Bedürfnisse. Bemmers persönliches Beispiel zeigt, wie schnell aus einer harmlosen Verzögerung eine emotionale Krise werden kann. Ihr Essay regt dazu an, Freundschaften wieder als das zu sehen, was sie sind: wertvolle, aber nicht verpflichtende Beziehungen.

Fazit: Weniger Erwartungen, mehr Gelassenheit

Die Autorin plädiert für eine Entlastung der Freundschaft. Statt jede Nicht-Reaktion zu analysieren, sollten Menschen lernen, Freunden Raum zu geben. Die Frage „Stellen wir zu viele Ansprüche an Freunde?“ beantwortet der Essay mit einem klaren Ja. Nur wer akzeptiert, dass Freundschaften auch Leerlauf vertragen, kann ihre wahre Stärke genießen. Der Beitrag von Ariane Bemmer im Tagesspiegel ist ein wichtiger Impuls, um über die eigenen Beziehungsmuster nachzudenken.

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