FU-Experte: Lügen kann zur Lebensstrategie von Politikern werden
FU-Experte: Lügen als Lebensstrategie von Politikern

Ein Politikwissenschaftler der Freien Universität Berlin hat davor gewarnt, dass Lügen für Politiker zu einer systematischen Lebensstrategie werden kann. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost erklärte Prof. Dr. Klaus Schröder, dass die zunehmende Akzeptanz von Falschaussagen in der Politik eine ernsthafte Bedrohung für die demokratische Kultur darstelle.

Lügen als strategisches Mittel

„Lügen kann zur Lebensstrategie von Politikern werden“, so Schröder. Er betont, dass dies kein neues Phänomen sei, aber durch soziale Medien und die Polarisierung der Gesellschaft eine neue Dimension erreicht habe. Politiker würden oft bewusst Tatsachen verdrehen, um kurzfristige politische Vorteile zu erzielen, ohne Rücksicht auf langfristige Schäden für das Vertrauen in die Institutionen.

Laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) aus dem Jahr 2023 glauben nur noch 38 Prozent der Deutschen, dass Politiker meistens die Wahrheit sagen. Das ist ein Rückgang um 15 Prozentpunkte innerhalb von fünf Jahren. Schröder sieht darin einen alarmierenden Trend, der die Demokratie untergraben könne.

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Folgen für die Demokratie

Die systematische Lüge führe zu einer Erosion des öffentlichen Vertrauens. „Wenn Bürger nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können oder wollen, verliert die Demokratie ihre Grundlage“, warnt der Experte. Er verweist auf Beispiele aus den USA, wo die „Post-Truth“-Ära bereits zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft geführt habe.

Schröder fordert daher mehr Medienkompetenz und eine stärkere Rolle der unabhängigen Presse. Auch die Politik müsse sich selbst regulieren: „Parteien sollten klare Regeln für die Wahrhaftigkeit ihrer Mitglieder aufstellen und Verstöße sanktionieren.“

Kein Allheilmittel

Allerdings räumt Schröder ein, dass es kein einfaches Rezept gegen politische Lügen gebe. „Die Wahrheit ist oft komplex und nuanciert, während Lügen einfach und eingängig sind. Das macht sie für Politiker attraktiv.“ Er appelliert an die Wähler, kritisch zu bleiben und Informationen aus verschiedenen Quellen zu prüfen.

Die Diskussion um Wahrheit in der Politik ist nicht neu, aber sie gewinnt an Dringlichkeit. In Zeiten von „Fake News“ und Filterblasen wird die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge zunehmend schwieriger. Schröders Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Vertrauen in die Politik auf einem historischen Tiefstand ist.

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