Die Schauspielerin und Komikerin Gaby Köster (64) lebt seit ihrem Schlaganfall im Jahr 2008 mit schweren Beeinträchtigungen. Sie sitzt im Rollstuhl und ist im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen. Nun äußert sie sich deutlich zur mangelnden Unterstützung durch die Politik und zur unzureichenden Pflegestufe.
Pflegestufe zwei reicht nicht
Köster erklärte der Nachrichtenagentur dpa, dass ihre Pflegestufe zwei bei Weitem nicht ausreiche. „Ich hab’ Pflegestufe zwei und kann mir selber nichts kochen, zum Beispiel. Aber wenn ich der Krankenkasse sage, ich brauche eine höhere, heißt es, ich sei nicht dement genug und der Schlaganfall auch schon lange her.“ Ihr Gewicht von 58 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,76 Metern zeige die Dringlichkeit. „Ich wiege noch 58 Kilo bei 1,76 und das ist alles nicht lustig.“
Dankbar für Helfer im Alltag
Die Kölnerin betonte, dass sie ohne die Unterstützung ihrer Mitmenschen nicht überleben würde. Sie habe eine Reinigungsfrau, jemanden, der für sie einkaufe, und eine „unfassbar liebenswerte Nachbarin“. „Wenn es das alles nicht gäbe, würde ich jetzt hier nicht sitzen, sondern wahrscheinlich in einer Urne.“
Scharfe Kritik an Politikern und AfD
Köster fordert, dass Politiker selbst eine Schicht in der Pflege absolvieren sollen. „Ich wünsche mir, dass alle Politiker mindestens mal eine Schicht von den Pflegekräften machen. Und dann sollen sie mal das Maul aufmachen.“ Applaus allein helfe nicht: „Da können die weder Miete von zahlen noch sich ernähren oder ihre Kinder anständig beaufsichtigen.“
Einen besonders scharfen Seitenhieb verteilte sie gegen die AfD. „80 Prozent aller Menschen, die in Pflegeheimen und Krankenhäusern arbeiten, sind Ausländer. Und ich freue mich auf den Tag, wenn ein AfDler irgendwo rumliegt und dann auf eine Brasilianerin angewiesen ist, die ihm hoffentlich den Arsch mit Schmirgelpapier abwischt.“
Finanzielle Sorgen und Karriereende
Köster gab zu, dass sie das Fernsehen vor allem aus finanziellen Gründen vermisse. „Also finanziell muss ich sagen: Ja, ich vermisse das Fernsehen. Ich habe auch wirklich Panik, wie es weitergeht.“ Sie habe in ihrem Leben „ich weiß nicht wie viel an Steuern bezahlt“ und fühle sich im Stich gelassen.
Dokumentarfilm und Rückblick auf die Karriere
Ab Donnerstag ist Köster in dem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ zu sehen, der das Frauenbild in deutschen Fernsehshows der 1990er und frühen 2000er Jahre thematisiert. Sie war damals oft die einzige Frau in der RTL-Show „7 Tage – 7 Köpfe“. Rückblickend sagte sie, die Arbeit in der Kneipe sei die „beste Schule fürs Fernsehen“ gewesen. „Da erlebt man auch sehr viel Elend und hat auch gerade mit solchen Dingen zu tun, mit Popoklatschern und so.“
Heute sei ihr bewusst, dass ihre Arbeit auch politisch war: „Je älter ich wurde, desto mehr habe ich gemerkt, dass es schon politisch ist, was ich tue. Ich bin jetzt 64 und jetzt hau' ich raus.“



